Fasnacht Nackter Hintern – und Bimbes

Klare Botschaft der Jecken an die Rechtspopulisten.
Klare Botschaft der Jecken an die Rechtspopulisten.

Fasnacht ein feucht-fröhliches Fest? Auch, ja, ganz unbedingt. Aber die Narretei ist mehr als das. Sie ist zuweilen hochpolitisch. Und: Für manche klingelt ordentlich Geld in der Kasse.

Politische Fasnacht? Auf einem Motivwagen des Mainzer Rosenmontagsumzugs wurde beispielsweise Pappkamerad Olaf Scholz, im richtigen Leben SPD-Bundeskanzler, als einäugiger und schiffbrüchiger Kapitän dargestellt, der durchs Fernrohr späht. Sein absaufendes Segelschiff wird bereits von Wellen überspült. Auf dem Motivwagen war die düstere Warnung zu lesen: „Noch spielt er den Staatsmann, mit Fernglas und Kapp, doch bleibt er auf Kurs, dann saufen wir ab.“

Beim Kölner Rosenmontagsumzug wird der Kanzler anders karikiert: als schlummerndes Faultier auf einem Baum. Das Tier ist den Jecken – Obacht: Ironie! – Sinnbild für die Leidenschaft und die Dynamik, mit der Scholz seine Regierungsgeschäfte führt. Und zu lesen ist: „Der Rest ist Schweigen.“

Derbe Persiflage auf einem weiteren Motivwagen in Köln: Ein Jeck streckt nazigrüßenden Rechtspopulisten in Götz-von-Berlichingen-Manier den nackten Hintern entgegen. Auf einem zum Hitlergruß ausgestreckten Arm ist das Logo der AfD zu sehen.

Lässt sich Friedrich Merz verführen?

In Mainz bekam auch CDU-Chef Friedrich Merz sein Fett weg. Eine dralle AfD-Frauenfigur in Netzstrümpfen steht auf einem „Brandmäuerchen“ und will Merz verführen. „Wie wär’s mit uns?“, ist auf einem Schild zu lesen.

So weit, so politisch. Aber was hat es mit dem Bimbes im Karneval auf sich? Es gibt nichts, was die fleißigen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute nicht untersuchen. In diesem Fall hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aus der Fasnachtshochburg Köln analysiert: Was bringt der Karneval eigentlich pekuniär? Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Laut IW geben die Jecken in der diesjährigen relativ kurzen Session bundesweit rund 1,7 Milliarden Euro aus für Kostüme, Getränke, Essen, Taxis, Hotels oder Veranstaltungen.

Pils, Schorle und Co. bescheren Geldsegen

Vor allem die von Corona und dem Ende der Mehrwertsteuerermäßigung gebeutelte Gastronomie kann sich die Hände reiben. Für Pils, Schorle und Co. sowie für Speisen errechnet das Institut einen Umsatz in Höhe von 770 Millionen Euro. Im Einzelhandel sind rund 360 Millionen Euro etwa für den Verkauf von Kostümen und Gutsel über die Ladentheke geschoben worden. In der Transportbranche hat Fasnacht unter anderem für Bahntickets für Veranstaltungen oder für Taxifahrten den Umsatz um 260 Millionen Euro angekurbelt. Weitere 190 Millionen Euro sind in der Hotelbranche für Übernachtungen ausgegeben worden.

Für das IW belegen diese Zahlen: Das Fasnachtsgeschäft habe sich nach der Coronazeit wieder erholt. So lägen die Umsatzzahlen etwas über denen aus dem Vorjahr: In der letzten Session setzten Gastronomie, Hotels und Co. rund 1,65 Milliarden Euro um. „Für die regionale Wirtschaft ist der Karneval ein Lichtblick. Gerade Gastronomie und Hotellerie brauchen diese wichtigen Impulse“, glaubt IW-Direktor Michael Hüther.

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