Automobilgeschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Mitsubishi Colt Galant GTO: Rallye mit Muskelkraft

Ausgeprägtes Fließheck: der Colt Galant GTO.
Ausgeprägtes Fließheck: der Colt Galant GTO.

Eine Zeit lang schossen Oldtimer-Rallyes wie Pilze aus dem Boden. Sie waren und sind nicht nur eine Rampe für Wohlhabende, um ihre rollenden Schätze zur Schau zu stellen. Sie dienen auch und vor allem dazu, den Menschen am Straßenrand Fahrzeuge in Fahrt zu zeigen, die man im heutigen Verkehr nicht mehr sieht.

Auch Vorkriegsmodelle

Womöglich kehrt sich dieser Trend derzeit um: Die traditionsreiche Saar-Lor-Lux, die auch Rheinland-Pfalz streift, fiel im vergangenen Jahr wegen zu geringer Beteiligung aus – man nimmt in diesem Mai einen neuen, den 23. Anlauf (www.classique.de).

Nach neun Veranstaltungen haben sie bei der Baiersbronn Classic das Handtuch geworfen, wobei auch Umweltgründe eine Rolle spielten. Den Zuschuss, den das Spektakel erforderte, will die Gemeinde an anderen Stellen ausgeben.

Dabei hatte sich diese Rallye durch ihren hohen Anteil an Vorkriegsfahrzeugen unter Kennern deutschlandweit einen Namen gemacht. Es gab allemal mehr Anmeldungen als Startplätze. Es ließen sich auch Raritäten jüngeren Baujahrs bewundern, etwa ein japanischer Mitsubishi Colt Galant GTO von 1971.

Erster war ein Reishändler

Das Coupé wurde offiziell nie nach Deutschland und Europa exportiert, weil die Mitsubishi-Einfuhr erst 1977 begann. Ein japanischer Reishändler brachte das Auto nach Bangkok/Thailand, wo es in drei Jahrzehnten nicht weniger als 20 Mal den Besitzer wechselte, ehe es von einem deutschen Mitsubishi-Fan entdeckt und im Container nach Deutschland verschifft wurde. Er ließ es technisch und im Innenraum behutsam renovieren, gönnte ihm allerdings eine neue Außenlackierung in einem Farbton der 1970er-Jahre.

Der 1,6-Liter-Vierzylinder entwickelt 100 Pferdestärken, das Schaltgetriebe hat immerhin schon fünf Gänge. Allerdings ist die Rechtslenkung etwas gewohnheitsbedürftig, und auch das Anlassen des Motors nach einer kühlen Nacht bedarf einiger Tricks: Statt des stillgelegten Chokes waren zwei kräftige Tritte aufs Gaspedal notwendig, und ohne das heutzutage verpönte Warmlaufen setzt sich dieser Exot nicht in Bewegung.

Keine Ohrstöpsel

Der Motor gehört nicht zu den flüsterleisen, aber Ohrstöpsel sind für eine Rallye-Besatzung tabu, da es auf der Strecke und während der Wertungsprüfungen ohne Hörkontakt zwischen Fahrer/Fahrerin und Beifahrer/Beifahrerin nicht geht.

Das alles sind die Abenteuerzutaten, welche die Teilnahme an einer Rallye dieser Art ausmachen. Dazu hat diesmal auch als Premiere gehört, dass der Mitsubishi am zweiten Tag das Etappenziel auf den letzten Metern nur mit menschlicher Schubkraft erreichte. Das Publikum jubelte.

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