Wirtschaft Mit lautem Knall gegen die Wand gefahren

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Der Skandal um explodierte Airbags treibt den japanischen Weltmarkführer Takata in die Pleite. Der Kfz-Zulieferer stellte gestern in Tokio einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Deutsche Autokonzerne halten zunächst bisher an dem Lieferanten fest.

Der skandalgeplagte Airbag-Produzent Takata stellte gestern in Tokio für seinen japanischen Mutterkonzern und die US-Tochter TK Holdings Anträge auf ein Insolvenzverfahren. Der chinesisch-amerikanische Rivale Key Safety Systems (KSS) wird die Geschäfte von Takata übernehmen und zahlt dafür 1,4 Milliarden Euro. In Europa soll Takata angeblich weiter produzieren, weil dort eine „solide finanzielle Basis“ unabhängig von anderen Regionen eine Pleite verhindere, hieß es gestern am Stammsitz in Tokio. Die deutschen Pkw-Hersteller, die teilweise noch auf Takata-Produkte setzen, hoffen auf die Fortsetzung der Produktion in den ostdeutschen Werken. Würde der Lieferant – auch für Lenkräder, Sicherheitsgurte und Kindersitze – komplett wegfallen, wäre auf dem Airbag-Sektor ein Oligopol mit erheblichen Preissteigerungen zu befürchten. Danach sieht es nicht unbedingt aus. KSS übernimmt von Takata nahezu alle Vermögenswerte und das operative Geschäft. Unklar ist, wer für die Verbindlichkeiten in Höhe von umgerechnet 8,1 Milliarden Euro geradesteht. Der Fall Takata ist eine der größten Firmenpleiten in der japanischen Wirtschaftsgeschichte. Die Luft entwich allerdings schon seit spätestens 2014 aus den Geschäften des Kfz-Zulieferers. Damals wurde bekannt, dass Takata-Airbags unter Hitze und Luftfeuchtigkeit schwere Unfälle auslösen können. Statt Menschen vor dem Unfalltod zu retten, erwiesen sich die Teile als Todesfalle. In zahlreichen Fällen explodierten sie mit riesiger Wucht, geschossartig flogen Metallsplitter umher und verletzten Fahrzeuginsassen mutmaßlich zum Teil tödlich. Noch ist nichts offiziell erwiesen, aber mindestens 16 Todesfälle und fast 200 Verletzungen werden auf die technischen Mängel zurückgeführt. Rund 100 Millionen Fahrzeuge mit Takata-Airbags mussten zurückgerufen werden. Firmenchef und Enkel des Firmengründers Shigehisa Takada – die Familie hält 60 Prozent der Anteile – ignorierte alle Warnungen lange und weigerte sich vorschriftsgemäß die Behörden zu alarmieren. Die amerikanische Justiz warf dem Unternehmen vor, vorsätzlich Daten gefälscht und damit den Profit über die Sicherheit der Kunden gestellt zu haben. Takata zahlte deswegen allein in den USA 1 Milliarde Dollar Strafe und steht für drei Jahre unter der Aufsicht eines unabhängigen Prüfers. Die Automobilhersteller weltweit kehrten ihrem langjährigen Zulieferer daraufhin reihenweise den Rücken, so auch General Motors, BMW, Daimler und VW. Allerdings haben sich die Premium-Automobilbauer nicht gänzlich abgewendet: Ein Drittel etwa der in BMW-Fahrzeuge eingebaute Airbags kommen von Takata. Obwohl damit bisher keine Vorfälle bekannt wurden, riefen allein die Münchner bisher etwa 7,5 Millionen Autos zurück. Das soll einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag gekostet haben, der nach der Pleite wohl abgeschrieben werden muss. Den finalen Schlag versetzten Takata schließlich Nippons Autohersteller im November 2015, als erst Hauptkunde Honda und kurz darauf Toyota, Nissan und Subaru ankündigten, die Verträge mit Takata zu kündigen. Durch den geplanten Zusammenschluss entsteht ein Anbieter von Sicherheitssystemen für Autos mit etwa 60.000 Mitarbeitern in 23 Ländern. KSS teilte mit, dass nach der Übernahme weder Arbeitsstellen gestrichen noch Produktionsstätten geschlossen werden sollten. Sie soll im ersten Quartal 2018 abgeschlossen sein.

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