Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Milliarden für Aktionäre

Auf deutsche Autokonzerne entfällt ein großer Teil der Dividendenzahlungen an Aktionäre von Dax-Unternehmen.
Auf deutsche Autokonzerne entfällt ein großer Teil der Dividendenzahlungen an Aktionäre von Dax-Unternehmen.

Knapp 55 Milliarden Euro an Dividenden dürften Dax-Konzerne dieses Jahr an Investoren ausschütten. Damit steuern sie auf einen Rekord zu. Doch für Anleger gibt es einiges zu beachten.

Dax-Konzerne schütten weiter in großem Stil Gewinne an ihre Aktionäre aus – dieses Jahr rechnen Experten mit einem erneuten Dividendenrekord. Besonders die großen deutschen Autobauer legen sich ins Zeug, allen voran Mercedes-Benz. Für Anleger können Dividendenrenditen lukrativ sein, allerdings sollte man im Einzelfall genau hinschauen. Beim Vergleich etwa mit festverzinsten Investments ist Vorsicht geboten.

Die im deutschen Leitindex Dax gelisteten Aktiengesellschaften werden den Rekord aus dem Vorjahr in diesem Jahr um 1,6 Milliarden Euro übertreffen und 54,6 Milliarden Euro an Dividenden ausschütten, heißt es in einer aktuellen Analyse der Deka-Bank. Auch im M-Dax, der zweiten deutschen Börsenliga, wo mittelgroße Unternehmen geführt werden, steigen die Ausschüttungen der Studie zufolge von 6,6 Milliarden auf 7,1 Milliarden Euro an. Insgesamt kämen die 90 Firmen im Dax und M-Dax 2024 auf rund 61,7 Milliarden Euro.

„Die Dax-Unternehmen zeichnen sich mehrheitlich durch eine hohe Disziplin und Dividendenkontinuität aus“, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka-Bank. Den Konzernen sei es gelungen, trotz schleppender Konjunktur und belastenden geopolitischen Krisenherden ihre Gewinne auf hohem Niveau zu halten. 2024 erwartet Schallmayer für den Dax gemäß den aktuellen Kursständen eine Dividendenrendite von 4,4 Prozent – ein beachtliches Niveau, das einen ganzen Prozentpunkt oberhalb des langjährigen Durchschnitts liegt.

Die höchste erwartete Dividendenrendite der Dax-Unternehmen liefert mit 8,4 Prozent der Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz. Knapp dahinter folgt die Volkswagen AG mit 8,2 Prozent. Der Deka-Studie zufolge steuern die beiden Autobauer zusammen mit dem Konkurrenten BMW, der eine Dividendenrendite von 5,5 Prozent bietet, mit einem Ausschüttungsvolumen von zusammen 13,9 Milliarden Euro rund ein Viertel der gesamten Dividendensumme des Dax bei. Aufgrund ihrer hohen Gewinne konnten sich die Autobauer das bislang gut leisten, trotz der hohen Dividenden liegen ihre Ausschüttungsquoten deutlich unter dem Dax-Durchschnitt.

Anders sieht dies laut der Analyse beim Chemiekonzern BASF aus. Die Ludwigshafener zählten zwar mit einer Dividendenrendite von 7,0 Prozent zu den Unternehmen, die ihre Aktionäre am meisten verwöhnen. Allerdings schütte die BASF in diesem Jahr wahrscheinlich mehr Geld als Dividende aus, als sie im vergangenen Jahr erwirtschaftet habe. Anleger sollten also nicht auf Dauer mit so hohen Gewinnbeteiligungen rechnen. Das Beispiel zeigt, dass man bei Dividendenstrategien genau drauf achten sollte, inwiefern die Situation eines Unternehmens sichere Ausschüttungen erlaubt.

Ausblick auf Wachstum

Die Analysten der Deka-Bank gehen davon aus, dass 26 der 40 aktuellen Dax-Mitglieder ihre Dividende pro Aktie dieses Jahr gegenüber dem Vorjahr erhöhen, elf sie unverändert lassen und drei sie senken. „Es wird den Unternehmen 2024 gelingen, sich dank ihrer internationalen Ausrichtung von den herausfordernden heimischen Perspektiven abzukoppeln und vom globalen Wachstumsausblick zu profitieren und den Gewinn erneut zu steigern“, begründet Experte Schallmayer. Seine Studie verdeutlicht aber, dass sich der Dividendensegen im Dax auf relativ wenige Konzerne konzentriert. So entfalle knapp die Hälfte der gesamten Auszahlungssumme auf sechs Unternehmen. Neben den Autobauern Mercedes-Benz, VW und BMW sind es der Versicherungsriese Allianz, die Telekom und Siemens.

Grundsätzlich sind Dividendenstrategien unter Finanzexperten umstritten. Investoren sollte klar sein, dass Ausschüttungen den Börsenwert von Unternehmen drücken und keine Geschenke darstellen. Letztlich bekomme man als Aktionär einfach nur sein eigenes Geld ausgezahlt, meint etwa Vermögensverwalter und Bestsellerautor Gerd Kommer. Andere Finanzprofis sagen wiederum, dass dividendenstarke Unternehmen an der Börse aufgrund der für hohe Ausschüttungen nötigen Kostendisziplin prinzipiell attraktiver seien. Wieder andere finden, durch hohe Gewinnbeteiligungen für Anteilseigner gehe Konzernen Geld verloren, das sinnvoller in Wachstum investiert werden könnte.

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