Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Mietwagen könnten knapp und teuer werden

Wenn die Reisebeschränkungen gelockert werden, steigt auch wieder die Nachfrage nach Mietwagen.
Wenn die Reisebeschränkungen gelockert werden, steigt auch wieder die Nachfrage nach Mietwagen.

Urlauber hoffen auf ein baldiges Ende der Corona-bedingten Reisebeschränkungen. Aber wer plant, sich im Urlaub ein Auto zu mieten, wird wahrscheinlich tiefer in die Tasche greifen müssen.

Erich Sixt ist optimistisch. „Es kann für uns einen guten Sommer geben“, sagt der Seniorchef des gleichnamigen Mobilitätsdienstleisters aus Pullach bei München. Denn es sei weniger Utopie als vielmehr realistisch, dass die Pandemie ausläuft und Urlauber für eine sprunghafte Nachfrage auch nach Mietautos sorgen.

Das geschehe gerade in den USA, wo Sixt stark expandiert. „Im März sind Autos dort knapp und die Preise teils exorbitant hoch geworden“, sagt Sixt. Sein Konzern habe die Preise zwar nicht massiv erhöht. Aber aus einzelnen US-Staaten gibt es Berichte über eine Verdreifachung von Mietwagenpreisen verglichen mit dem Niveau vor der Pandemie. Mancherorts sind Mietwagen dennoch komplett ausverkauft.

In Pandemie wurde Fahrzeugflotte verkleinert

Was in Deutschland und Europa drohen könnte, hat das Onlineportal billiger-mietwagen soeben abgeschätzt. Auf etwa ein Fünftel höhere Mietwagenpreise im Vergleich zu 2019 müssen sich Urlauber demnach diesen Sommer einstellen. Das zeigten aktuelle Erfahrungen aus Ländern, die bereits lockern und wo es bei den Preisen teils noch höher geht. Nur dort, wo Reisebeschränkungen noch umfangreich sind und Ausgangssperren gelten, sind Mietwagen noch billig zu haben.

Wenn hohe Nachfrage auf knappes Angebot trifft, hebt das die Preise, stellt Sixt klar und sagt das für diesen Sommer bei positivem Pandemieverlauf auch für Europa voraus. Das Ausmaß will er nicht abschätzen. „Die Preise gehen so hoch, wie es der Markt erlaubt“, meint der 76-Jährige lapidar. Niedrig ist das Angebot an Mietautos derzeit branchenweit, weil Autovermieter zu Pandemiebeginn auf die Investitionsbremse traten, um Kosten zu sparen. Am besten geht das, indem man die Vermietflotte reduziert. Sixt hatte im Auftaktquartal 2021 noch 93.200 Fahrzeuge im Bestand – gut ein Viertel weniger als vor Jahresfrist. Branchenweit wurden die Vermietflotten in der Pandemie um rund ein Drittel gestutzt, schätzen Experten.

Erich Sixt sieht noch keinen Grund zur Entwarnung

Neuwagen sind kurzfristig und vor allem in großer Stückzahl aber nicht zuverlässig zu haben, weil derzeit bei vielen Autobauern wegen eines Mangels an Teilen, unter anderem Elektronikchips, die Produktion stockt. Eine andere Möglichkeit, das Angebot auszuweiten, ist eine verlängerte Haltedauer der Mietautos. Diese gehen nach einer vorab festgelegten Zeit wieder an die Hersteller zurück. „Wir können die Flotte so wie eine Ziehharmonika auseinanderziehen“, sagt Sixt. Zugleich schränkt er ein, dass das nicht unbegrenzt und auch nicht bei allen Herstellern funktioniere.

„Irgendwann ist Schluss“, räumt der Konzernchef ein, zumal auch das Personal knapp werden könnte. Denn das wurde in der Branche während der Pandemie ebenfalls abgebaut. „Nun hat ein Run auf Arbeitskräfte eingesetzt“, sagt Sixt. In den USA sei die Nachfrage jedenfalls wie aus dem Nichts über Nacht in die Höhe geschossen. An Zustände wie dort, wo Kunden teils mit Miet-Lieferwagen zum Strand führen, weil es keine Miet-Pkw mehr gibt, glaubt Sixt für Europa aber nicht. Dennoch sei es wahrscheinlich keine schlechte Idee, für einen geplanten Sommerurlaub schon jetzt einen Mietwagen zu buchen, rät er – wohl nicht ganz uneigennützig.

In jedem Fall könnte der Sommerurlaub, so die Pandemie ihn erlaubt, dieses Jahr zumindest bei Mietwagen ein ungewöhnlich kostspieliges Vergnügen werden. Vermieter wie Sixt wiederum könnten das gut gebrauchen. Im Auftaktquartal 2021 sind die Umsätze der Bayern im Vergleich zu Januar bis März 2020 um ein Drittel auf 330 Millionen Euro geschrumpft, was unterm Strich 10 Millionen Euro Verlust zur Folge hatte. Ein Prognose für das Gesamtjahr verkneift sich Sixt wegen bleibender Unsicherheiten weiterhin. „Für eine Entwarnung ist es definitiv noch zu früh“, räumt der altersbedingt scheidende Konzernchef ein.

Erich Sixt (links) mit seinen Söhnen Konstantin (Mitte) und Alexander.
Erich Sixt (links) mit seinen Söhnen Konstantin (Mitte) und Alexander.
x