Wirtschaft
Michelin streicht 850 Arbeitsplätze in Homburg und schließt Werk Karlsruhe
In parallelen Betriebsversammlungen in den drei Werken informierte das Unternehmen am Dienstag seine Mitarbeiter. Dafür wurde die Produktion von Montagabend bis Mittwochmorgen komplett eingestellt.
Mitte Oktober hatte Michelin seinen Belegschaften ein Konzept vorgestellt, das die Streichung von Produktionslinien und damit einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen vorsah. Im Werk Homburg/Saar beschäftigt Michelin derzeit nach eigenen Angaben 1300 Mitarbeiter, jeder vierte kommt aus der Westpfalz, jeder dritte aus Frankreich. Sie produzieren am Stadtrand Neureifen für Lastwagen und Vorprodukte für die Reifenherstellung, nämlich Gummi und Stahldraht. In einer Abteilung mit 450 Mitarbeitern werden gebrauchte Reifen runderneuert.
In Homburg bleiben nur 450 von 1300 Arbeitsplätzen
Das im Oktober vorgestellte Konzept sah den Wegfall der Produktion von Neureifen und Vorprodukten vor. So soll es nun auch kommen. Michelin bestätigte am Mittag das Vorhaben. Ende nächsten Jahres soll die Produktion von Neureifen für Lastwagen auslaufen, ein Jahr später die Herstellung von Vorprodukten. Von den aktuell gut 1300 Stellen in Homburg bleiben nur 450 übrig, 850 fallen weg.
Für Karlsruhe und Trier kommt es nun noch schlimmer: Beide Werke werden komplett geschlossen. Der Betrieb in Karlsruhe, wo derzeit 600 Micheliner tätig sind, läuft Mitte 2025 aus. Im Werk Trier mit 90 Mitarbeitern gehen Ende 2024 die Lichter aus.
„Rentable Produktion ist nicht mehr möglich“
Michelin begründet seine Entscheidung mit gestiegenem Wettbewerbsdruck. Zudem würden verstärkt Billigreifen gekauft, vor allem für Lastwagen. Unternehmenssprecherin Maira Zöller sagte: „Wir haben sehr engagierte Mitarbeiter. Es lag nicht an der Leistung der Belegschaft.“ Für Lkw-Reifen von Michelin gelte aber: „Eine rentable Produktion ist nicht mehr möglich.“
Betriebsrats-Chef aus dem Kreis Kusel
Joachim Jordan, Chef des Betriebsrats in Homburg, fragte hingegen: „Wie kann man nur auf die Idee kommen, eine solche Entscheidung zu treffen? Im Neureifenbereich haben wir in Homburg die besten Maschinen weltweit und das modernste Produktionsverfahren, dazu hochmotivierte Mitarbeiter.“ Für Jordan, der im Kreis Kusel zu Hause ist, geht es jetzt darum: „Was können wir für jeden Mitarbeiter erreichen?“ Maira Zöller sagte, Michelin habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Man werde nun „mit den Sozialpartnern über einen Interessenausgleich verhandeln“. Sie signalisierte, dass Michelin die Gespräche „mit sehr viel Wohlwollen führen“ werde. „Wir wollen jedem Mitarbeiter eine Perspektive geben.“ Im neuen Jahr sollen die Verhandlungen beginnen.
Die Chemie-Gewerkschaft IG BCE kritisierte die Entscheidung des Unternehmens scharf. Sie sprach von einem Kahlschlag und kündigte Widerstand an. „Wir geben die Standorte nicht auf. Wir werden die Stellenstreichungen und Werkschließungen nicht so einfach akzeptieren“, sagte Matthias Hille von der IG BCE.
Der Reifenhersteller Michelin, eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, hat seine Zentrale in Clermont-Ferrand und beschäftigt weltweit 120.000 Menschen. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 28,6 Milliarden Euro. Neben Reifen produziert das Unternehmen auch Straßenkarten, Reiseführer und einen Restaurantführer.
Werk in Bad Kreuznach bleibt unangetastet
Noch im August, als erste Gerüchte die Runde machten, hatte Michelin auf eine Anfrage der RHEINPFALZ geantwortet, „dass es generell nicht möglich ist, eine Zukunftsprognose zu Standorten abzugeben“.
In Bad Kreuznach produziert Michelin mit 1600 Mitarbeitern Neureifen für Personenwagen. Das Werk ist dem Vernehmen nach voll ausgelastet. Dort steht kein Abbau von Arbeitsplätzen an.