Wirtschaft
Mehr Plätze in ICE 4: Linien über Mannheim profitieren
«Berlin.» Angesichts steigender Fahrgastzahlen hat die Deutsche Bahn (DB) zusätzliche Investitionen in Ausbau und Erneuerung ihrer ICE-Flotte beschlossen. Die Erweiterung der Platzkapazität wird gerade auch Linien zugute kommen, die über Mannheim führen.
Das Maßnahmenpaket, dem der DB-Aufsichtsrat in dieser Woche zugestimmt hat, umfasst, wie am Freitag gemeldet, ein Investitionsvolumen von über 1 Milliarde Euro. Davon entfallen rund 700 Millionen auf die Bestellung von ICE 4 bei Siemens. Von den 100 bestellten zwölfteiligen ICE 4 bekommen 50 einen zusätzlichen Wagen. Dadurch steigt die Anzahl der Sitzplätze von 830 auf 918. Die 13-teilige Version des ICE 4 hat damit nicht nur deutlich mehr Sitzplätze als ein ICE 1 mit rund 700, sondern auch mehr als eine ICE-3-Doppeleinheit, die es auf 884 Sitzplätze bringt.
Geeignet für Schnellstrecken mit Steigung
Die bisher ausgelieferte zwölfteilige Version des ICE 4 verfügt über sechs angetriebene Wagen, im Fachjargon Powercars genannt. Der zusätzliche Wagen des 13-Teilers ist ein solches Powercar. Damit ist diese Version des ICE 4 besser für den Einsatz auf der Schnellfahrstrecke Köln-Rhein/Main mit ihren starken Steigungen von bis zu 4 Prozent geeignet. Wie berichtet, soll der zwölfteilige ICE 4 ab dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember erstmals planmäßig bei einem Zugpaar von Hamburg über Dortmund, Frankfurt-Airport und Mannheim nach München eingesetzt werden. Weil der nur für Tempo 250 zugelassene ICE 4 nicht so schnell ist wie der ICE 3, der auf der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main mit bis zu Tempo 300 unterwegs ist, entfällt bei diesem Zugpaar allerdings der Halt in Siegburg. Als mögliche Einsatzstrecken für den 13-teiligen ICE 4 nennt die DB die Linien von Berlin und Hamburg über Mannheim in die Schweiz sowie eine Linie von Hamburg über Dortmund, Frankfurt-Airport und Mannheim nach München oder Basel. Derzeit fährt die Intercity-Linie von Hamburg über Dortmund und Köln weiter durchs Rheintal bis Mainz und dann abwechselnd nach Frankfurt oder Mannheim.
ICE 4 löst ICE 1 ab
Zusätzlich zu den bisher 19 georderten siebenteiligen ICE 4 mit 456 Sitzplätzen hat der DB-Aufsichtsrat die Bestellung von weiteren 18 Siebenteilern gebilligt. Diese Fahrzeuge eignen sich besonders für Linien, bei denen die Züge auf einem Teilabschnitt vereinigt fahren, dann aber geteilt werden und zwei verschiedene Ziele ansteuern. Derzeit ist das der Fall bei der Linie von München nach Hamburg und Bremen, die in Hannover geteilt wird und bei der Linie von Berlin ins Rhein/Ruhr-Gebiet, die in Hamm in einen Ruhr-Flügel durchs Ruhrgebiet nach Düsseldorf und einen Wupper-Flügel über Wuppertal nach Köln geteilt wird. Auf beiden Linien wird derzeit der ICE 2 eingesetzt, der, obwohl jünger als der ICE 1, früher ausgemustert werden soll. Dagegen wird der schon seit 1991 eingesetzte ICE 1 noch einmal für rund 320 Millionen Euro modernisiert und bis 2030 im Einsatz bleiben. Dabei ist noch nicht entschieden, ob dafür verkürzte ICE-1-Einheiten mit etwa 500 Sitzplätzen gebildet werden. Denkbar wäre der Einsatz solcher Garnituren etwa auf der heutigen Intercity-Linie von Karlsruhe nach München. Auf ihren heutigen Einsatzstrecken werden die ICE 1 nun nach und nach von neuen ICE 4 abgelöst. Zu den beiden ersten Linien, auf denen das geschieht, gehört die von Stuttgart über Mannheim nach Hamburg. Die in diesem Jahr gelieferten ICE 4 kommen allerdings zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember erst einmal mit Vorrang auf die ICE-Linie von München nach Berlin, auf der es seit der Inbetriebnahme der Schnellstrecke von Ebensfeld nach Erfurt durch den Thüringer Wald dank deutlich kürzerer Fahrzeiten enorme Fahrgastzuwächse gibt. Zwischen München und Berlin lösen die neuen ICE 4 zunächst die ICE der Baureihe 411 ab, die lediglich für Tempo 230 zugelassen sind. Die Sprinter-Züge, die nur in Nürnberg, Erfurt und Halle halten, werden auch weiterhin mit dem ICE 3 gefahren.