Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Keine Top-Managerin in kommunalen Unternehmen

Eva Lohse (rechts) überreichte Jutta Steinruck im Dezember 2017 deren Ernennungsurkunde als Oberbürgermeisterin.  Foto: KUNZ
Eva Lohse (rechts) überreichte Jutta Steinruck im Dezember 2017 deren Ernennungsurkunde als Oberbürgermeisterin.

Die Stadt Ludwigshafen wird den von der Landespolitik gesetzten Ansprüchen nicht gerecht: Keine einzige Frau sitzt in der zweitgrößten rheinland-pfälzischen Kommune in den Führungsgremien städtischer Unternehmen. Und auch anderswo ist die Frauenquote bei den städtischen Top-Jobs eher niedrig.

Friedrichshafen/Ludwigshafen. Braunschweig, Flensburg, Neunkirchen und Ludwigshafen haben etwas gemeinsam: In allen vier Kommunen gibt es in den Führungsetagen der kommunalen Unternehmen Frauen – aber allenfalls in den Vorzimmern. Die Chefs sind alles Männer. Zufall? „Das hängt in erster Linie von den handelnden Akteuren ab“, sagt Ulf Papenfuß. Der Lehrstuhlinhaber für Public Management und Public Policy an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen leitete eine Studie, die die Führungsstrukturen in den städtischen Unternehmen der 69 größten deutschen Kommunen unter die Lupe nahm.

Einige der Städte hätten sich des Themas angenommen und inzwischen eine vergleichsweise hohe weibliche Führungsrepräsentation erreicht, so Papenfuß. Ludwigshafen gehört nicht dazu – trotz inzwischen 17 Jahren, in denen an der Stadtspitze eine Frau steht: von Januar 2002 bis Ende 2017 Eva Lohse (CDU) und seit Januar 2018 Jutta Steinruck (SPD). Kraft Amtes sitzt die Oberbürgermeisterin einigen Aufsichtsräten vor, etwa dem der Versorger-Tochter TWL, im Klinikum, der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft und dem Verwaltungsrat der Sparkasse Vorderpfalz.

Frauen-Anteil in Top-Jobs kommunaler Unternehmen steigt

Fakt ist: Frauen kommen in den Top-Etagen kommunaler Unternehmen größerer Städte insgesamt nur langsam voran. Der Friedrichshafener Untersuchung zufolge stieg der Anteil weiblicher Führungskräfte in den 1463 öffentlichen Unternehmen der 69 untersuchten Kommunen – darunter die jeweils vier größten jedes Bundeslandes – binnen eines Jahres im Durchschnitt um 1,3 Prozentpunkte auf 19,3 Prozent. „Wir erkennen im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg“, sagte Studienleiter Ulf Papenfuß. „Die Repräsentation liegt aber weiterhin unter den von der Politik vielfach formulierten Zielen.“

Spitzenreiter war erneut die Stadt Offenbach mit einer Frauenquote von 54,5 Prozent in den Top-Etagen kommunaler Firmen. Auch Koblenz verfügt mit rund 30 Prozent der Posten in Vorstand, der Geschäftsleitung oder Geschäftsführung über einen überdurchschnittlich hohen Anteil Managerinnen in den Führungsetagen kommunaler Unternehmen. In der Landeshauptstadt Mainz sind es dagegen nur 10,3 Prozent und in Trier 12,5 Prozent. Überdurchschnittlich hoch ist der Frauenanteil auch in der Führungsetage der Kommunalunternehmen in der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken mit 25 Prozent. Unterdurchschnittlich gering ist der Anteil kommunaler Top-Managerinnen in Kaiserslautern mit lediglich 3,3 Prozent (eine) und Ludwigshafen mit 0 Prozent.

Großes Gefälle zwischen Ost und West

Zwischen den untersuchten Städten gibt es der Studie zufolge große Unterschiede. In einigen stieg im Laufe der Jahre der Anteil der Top-Managerinnen. In anderen gab es eine Stagnation auf niedrigem Niveau oder sogar einen Rückgang. Das kann zum Teil daran liegen, dass die Anzahl der Top-Jobs zunahm, nicht aber der Anteil weiblicher Führungskräfte.

Auffällig ist das Gefälle zwischen Ost und West. Die östlichen Bundesländer (ohne Berlin) kamen demnach in der Summe auf einen Frauenanteil von 23,8 Prozent (Vorjahr: 22,5) im Vorstand, der Geschäftsleitung oder Geschäftsführung kommunaler Unternehmen. Im Westen (ohne Hamburg und Bremen) waren es lediglich 14,3 Prozent (13,5).

Besonders häufig sind Top-Managerinnen der Studie zufolge in den Bereichen Zoologische Gärten, Landschaftspflege und Naturschutz, Gesundheit und Soziales sowie in Krankenhäusern zu finden. Deutlich geringer ist ihr Anteil unter anderem bei Banken und im Finanzwesen, in Stadtwerken oder in der Abfall- und Entsorgungswirtschaft. mit dpa

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