Wirtschaft
Ludwigshafen: 10.000 BASF-Mitarbeiter gehen bis 2030 in Rente
Das Ludwigshafener BASF-Stammwerk steht am Beginn einer radikalen Runderneuerung der Belegschaft. Bis zum Jahr 2030 werden rund 10.000 Mitarbeiter in Rente gehen. Das sind fast 30 Prozent der derzeit dort Beschäftigten. Arbeitsdirektor Michael Heinz sagt , wie das gehen soll.
Die geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1969 – das sind Vertreter der sogenannten Babyboomer-Generation – kommen ins Rentenalter. Das wird in den nächsten Jahren bei Unternehmen und Behörden einerseits den Fachkräftemangel verschärfen, den heute schon viele als das größte Unternehmensrisiko ansehen. Andererseits wird das auch den Abbau von Stellen erleichtern. Im Ludwigshafener BASF-Stammwerk mit rund 35.400 Beschäftigten gehen laut Arbeitsdirektor Heinz bis 2030 rund 10.000 Mitarbeiter in Rente. Er gehe davon aus, dass damit auch ein Stellenabbau verbunden sei. Eine Zielmarke nannte er nicht. Während der Betriebsratsvorsitzende Sinischa Horvat fordert, dass jede frei werdende Stelle eins zu eins wieder besetzt werden müsse, sagt Heinz, auch wegen des technologischen Wandels könne und müsse nicht für jeden Arbeitsplatz, der wegfalle, Ersatz geschaffen werden. „Wir werden nicht zulassen, dass weniger Leute mehr machen müssen“, so Horvat. Und wenn etwa durch Digitalisierung weniger Arbeit anfalle, dann müsse das Unternehmen mit neuen Investitionen mehr Arbeitsplätze schaffen.
Wahlmöglichkeiten zum Renteneintritt
Die Anzahl der Renteneintritte geht schon steil nach oben. 2014 gingen rund 100 Aniliner in Rente, 2017 waren es über 300, 2018 waren es schon über 500, für 2019 werden 700 bis 800 Abgänge erwartet und ab 2025 über 1000. Die Spitze werde 2029 erreicht. Die vielfältigen Wahlmöglichkeiten der Mitarbeiter in Bezug auf ihr Renteneintrittsalter erschweren eine genaue Prognose. Mit Blick auf die stark zunehmende Anzahl altersbedingter Abgänge würden im Stammwerk mehr Auszubildende eingestellt, sagte Heinz. In diesem Jahr würden zum 1. September 700 eigene Auszubildende eingestellt – nach 690 im vergangenen Jahr und 625 im Jahr 2017. 30 Ausbildungsplätze seien noch nicht besetzt. Weil es schwierig ist, genügend Chemikanten für den Schichtbetrieb zu finden, läuft bei der BASF ein Quereinsteigerprogramm für 100 Stellen in diesem Jahr. Externe Bewerber mit abgeschlossener Berufsausbildung würden eingestellt und sofort mit der Schichtarbeit beginnen. Zu den immer wieder zu vernehmenden Klagen von Mitarbeitern über einen rüden Umgangston – gerade auch unter den oberen Führungskräften, sagte Heinz: „Ein rauer Ton ist grundsätzlich nicht erwünscht. Er kann hart, aber herzlich sein. Und wir fordern immer Respekt im Umgang miteinander.“ Als der Vorstand Ende Februar bekannt gab, dass die BASF die Pigmentsparte verkaufen wolle, reagierten Mitarbeiter der Sparte zornig und wütend. 900 der weltweit 2600 Beschäftigten dieses Bereichs arbeiten im Ludwigshafener Stammwerk. Betriebsratschef Sinischa Horvat sprach von einem Schlag ins Gesicht der Betroffenen. Er habe Verständnis für die Enttäuschung der Betroffenen, sagte Heinz. Aber die BASF müsse dauernd an der Optimierung ihres Portfolios arbeiten.
Investitionen im Stammwerk 2019 stabil
Seit 2010 seien Geschäftsfelder mit einem Jahresumsatz von 26 Milliarden Euro verkauft worden. Geschäfte mit 8 Milliarden Umsatz habe die BASF dazugekauft. Die BASF habe Interesse an einer guten Zukunft der Pigment-Mitarbeiter. Die Investitionen im Stammwerk würden 2019 stabil bei 1,2 Milliarden Euro liegen, so Heinz. Das sind 200 Millionen Euro mehr als 2017. Da die Investitionen etwa doppelt so hoch seien wie die Abschreibungen auf bestehende Anlagen, betreibe die BASF im Stammwerk Substanzaufbau. Hier geht es zu unserem Kommentar