Wirtschaft Leitartikel: Superzüge sind ein Renner

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Der ICE/TGV-Verkehr zwischen Südwestdeutschland und Paris ist trotz

einiger Probleme eine tolle Erfolgsgeschichte – und ein schönes Beispiel

dafür, wie gut deutsch-französische Kooperation funktionieren kann. In Deutschland bleibt ein TGV ein TGV. Die neue SNCF-Marke „inOui“ ist in Frankreich eine Lachnummer.

Vor knapp zehn Jahren begann mit dem Fahrplanwechsel am 10. Juni der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Paris und Südwestdeutschland. Zehn Jahre später ist die Bilanz trotz aller Probleme, die es immer wieder vor allem wegen ICE-Ausfällen gegeben hat, frappierend positiv. Die von der Deutschen Bahn (DB) und der französischen Staatsbahn SNCF gegründete Tochter Alleo hat sich sehr bewährt. Mit dem Einsatz der neuen ICE-Baureihe 407 sind Fahrzeugausfälle im ICE-Verkehr nach Paris zum Glück auch deutlich seltener geworden. Die Alleo-Züge erreichen bei der Kundenzufriedenheit Traumwerte. 92 Prozent der befragten Kunden sind zufrieden oder sehr zufrieden. Eine wesentliche Rolle dürften dabei die deutsch-französischen Teams in den Zügen spielen, die ein schönes Symbol für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der beiden Bahnunternehmen sind. Grundsätzlich bewährt hat sich auch die Entscheidung, dass DB und SNCF Tickets nach einem System anbieten, das die Kunden aus ihren jeweiligen Ländern kennen, obwohl dies auch einige Nachteile hat. Ein Schwachpunkt ist allerdings, dass man als Bahncard-50-Besitzer bei einer Paris-Reise nur dann einen Vorteil hat, wenn man mit einem Flexpreis-Ticket reist. Die pragmatische Kombination der jeweiligen Eigenheiten hat sich in der Praxis bewährt und ist sinnvoller als der mit viel Aufwand verbundene Aufbau einer eigenen Marke. Das könnte einen kuriosen Effekt haben. Ein TGV, der nach Deutschland fährt, wird auch künftig TGV heißen, während die SNCF im Binnenverkehr ihre TGV künftig entweder als „Ouigo“ (für eine Art Billigsegment) oder als „inOui“ deklarieren will. Letzteres sorgt für jede Menge Spott, zumal „inOui“ eine Steilvorlage für Wortspiele ist, weil sich bei minimal anderer Schreibweise das Wort inouï (unerhört) ergibt. Derzeit deutet einiges auf einen kolossalen Marketing-Flop hin, hinter dem Verschwörungstheoretiker vielleicht einen raffinierten Versuch vermuten könnten, der Öffentlichkeit auf originelle Weise zu demonstrieren, wie bekannt und beliebt die Marke TGV ist. Erfreulich an der kleinen Feier in Paris zum Alleo-Jubiläum war nicht zuletzt, dass der Verkehr über die französische Ost-Schnellbahn (LGV Est) zu einem schönen Beispiel gelungener deutsch-französischer Kooperation geworden ist. Offensichtlich wollen DB und SNCF die Kooperation fortsetzen. Erfreulich ist auch, dass das gute Beispiel positive Effekte auch beim Thema Verkauf von Thalys-Tickets hat, den die DB vor einigen Jahren in einer Art Trotzreaktion eingestellt hatte. Dies hat zu einer aus Kundensicht absurden Situation geführt und die Marktposition des umweltschonenden Schienenverkehrs unnötig geschwächt. Bei der Taufe eines ICE auf den Namen Paris wurde am Donnerstag im Pariser Ostbahnhof zu Recht auf die Schlüsselrolle verwiesen, die der Schienenverkehr bei der Eindämmung der verkehrsbedingten Umweltbelastungen spielen sollte. Allerdings gibt es dabei einige eklatante Widersprüche zwischen proklamierten Zielen und politischer Praxis. Ein immer gravierenderes Problem sind die hohen Infrastrukturgebühren, die die ökonomische Lebensfähigkeit des TGV-Verkehrs in Frankreich zunehmend gefährden. In Deutschland scheint es bei den Trassengebühren derzeit immerhin etwas Bewegung in die richtige Richtung zu geben. Völlig absurd ist dagegen, dass ein Flugticket von Frankfurt nach Paris von der Mehrwertsteuer befreit ist, während derjenige, der mit dem relativ umweltschonenden ICE nach Paris fährt, auf sein Ticket 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen muss.

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