Wirtschaft
Leitartikel: Die richtige Entscheidung der BASF für Elektromobilität

Die BASF hat sehr früh auf den Erfolg der Elektromobilität und damit aufs richtige Pferd gesetzt. Seit 2007 entwickelt sie neue und bessere Materialien für Batterien. Das verändert den Chemiekonzern. Zellen oder gar Batterien wird die BASF nicht bauen. Aber sie hat den Stoff dafür.
Zukunftsthema: Batteriematerialien
Batteriematerialien sind beim Ludwigshafener Chemiekonzern BASF das große Zukunftsthema schlechthin. Der Siegeszug der Elektroautos, das Gelingen des Weltprojekts E-Mobilität wird die Umweltqualität verbessern, den Klimawandel bremsen, Autokonzerne und Zulieferer verändern. Auch die BASF steht am Beginn eines tiefgreifenden Wandels, der Investitionen und Forschungsaufwendungen in Milliardenhöhe auslösen wird. Und der riesige Chancen für Umsatz und Gewinn bietet. Denn der Chemieriese befindet sich im Zentrum der globalen Verkehrswende, auch wenn die Blicke bei diesem Thema vor allem auf die Autohersteller gerichtet sind. Ohne deren Engagement käme die E-Mobilität zwar nicht in Fahrt. Aber die entscheidende Rolle spielen die Hersteller der Batteriematerialien. Die wichtigsten Komponenten der Batterien sind Kathodenmaterialien. Sie bestimmen Reichweite, Ladezeit, Effizienz, Zuverlässigkeit, Kosten, Lebensdauer und Größe der Batterie. BASF-Forscher arbeiten an der nächsten Stufe der Effizienz. Bis 2025 soll die Reichweite eines Mittelklassewagens mit einer Batterieladung von heute 300 auf 600 Kilometer verdoppelt werden.
Chefsache
BASF-Chef Martin Brudermüller, Chemiker und Forscher aus Leidenschaft, kümmert sich persönlich um das Thema. Denn da entsteht ein riesiger Markt mit neuartigen Materialien, die laufend verbessert werden. Um ganz vorne mitzumischen, wird der Konzern kräftig investieren. Die laufende Ausgliederung der in der Kasseler Wintershall AG gebündelten Öl- und Gassparte der BASF und die Fusion des Geschäfts mit der Hamburger Dea werden den Ludwigshafenern finanzielle Mittel für den Ausbau der E-Mobilitätsaktivitäten verschaffen. Denn die neue Wintershall Dea mit einem Pro-forma-Jahresumsatz von 4,7 Milliarden Euro und 3150 Mitarbeitern soll an die Börse gebracht werden. Das wird die BASF-Kassen füllen. Vielleicht verkauft die BASF auch ihre Bauchemiesparte mit 7000 Beschäftigten und einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. Auch das würde finanzielle Freiräume für den Ausbau der Batteriematerialien bringen. Es hat lange gedauert. Aber jetzt kommt die E-Mobilität in Fahrt. In Deutschland wollen die Autohersteller und Zulieferer in den nächsten drei Jahren 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren. Die Marke VW wird in den kommenden fünf Jahren 9 Milliarden Euro in das E-Projekt investieren. Unter anderem werden die VW-Werke in Emden, Zwickau und Hannover für die Produktion von E-Autos umgebaut. Allein in Zwickau sollen bis zu 330.000 Elektroautos pro Jahr produziert werden. In Emden sollen ab 2022 jährlich 200.000 E-Kleinwagen vom Band laufen. Das Einstiegsfahrzeug soll weniger als 20.000 Euro kosten. Daimler hat Aufträge für Batteriezellen für 20 Milliarden Euro bis 2030 vergeben.
Vorstoß auf dem Feld der Elektromobilität seit 2007
Die BASF startete ihren Vorstoß in die Elektromobilität schon 2007. Kurz nach der Übernahme des US-Katalysatorenherstellers Engelhard begannen die ersten Versuche mit Batteriematerialien. 2012 ging ein auf fünf Jahre angelegtes 300 Millionen Euro schweres Forschungs- und Investitionsprojekt an den Start. Das war mutig, denn damals war noch nicht klar, dass E-Autos zum Massengeschäft werden würden. In den 1980er- und 1990er-Jahren ist die Batteriefertigung nach Asien abgewandert. SKI, LG Chem und Samsung SDI sitzen in Korea. Große Anbieter sind auch Catl in China und Panasonic sowie Sony in Japan. Die Bundesregierung fördert den Bau von Zellfabriken in Deutschland mit 1 Milliarde Euro, um die Abhängigkeit von den asiatischen Herstellern zu verringern. Jetzt formieren sich Investoren-Konsortien. Die BASF wird keine Zellen bauen. Aber sie hat den Stoff dafür.