Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Leitartikel: Der letzte Versuch

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Mit dem Ja des Kartellamts hat das neue Warenhaus Kaufhof-Karstadt eine

wichtige Hürde geschafft. Doch der Weg zum Erfolg wird noch steinig. Es braucht mutige neue Ideen, einen langen Atem und vor allem Investitionen. Aus den etwas angestaubten Filialen müssen Erlebnishäuser werden, die auch jüngere Kunden anziehen.

Überraschend schnell hat das Bundeskartellamt die Fusion der Warenhaus-Dinos Kaufhof und Karstadt genehmigt. Die zunächst als aufwendig angekündigte Prüfung hat die Behörde in nicht einmal vier Wochen beendet. Damit steht dem Zusammenschluss nichts mehr im Weg. Ob dieser erfolgreich wird, hängt indes von mehreren Faktoren ab. Und der Weg wird kein leichter sein – im Gegenteil. Missmanagement mit Blick auf Konzepte und Sortimente, unterlassene Investitionen in die Ausstattung und fragwürdige Immobiliengeschäfte haben beide Warenhaus-Filialisten in den vergangenen Jahren geschwächt. Ex-Karstadt-Chef Thomas Middelhoff etwa verkaufte die Karstadt-Gebäude. Die hohen Mietpreise der neuen Eigentümer trieben den Konzern in die Pleite. Mit ähnlichen Deals, die kurzfristig für Liquidität sorgen, auf lange Sicht aber existenzbedrohend sind, hatte die frühere Kaufhof-Mutter Metro das Warenhaus belastet. Der bisherige Eigentümer, die kanadische HBC, hat durch Immobilien-Verkäufe aus dem gesunden Unternehmen Kaufhof einen Verlustbringer gemacht. René Benko, Karstadt-Eigentümer und Chef der erfolgreichen Immobilienholding Signa und jetzt Mehrheitseigner des neuen Konzerns, hat es nun in der Hand, das fusionierte Warenhaus auf die Erfolgsspur zu setzen. Vor Jahren sagte man dem 41-jährigen Multimilliardär noch nach, allein an den Gebäuden und nicht am operativen Geschäft interessiert zu sein. Das hat sich offenbar geändert. Er sieht, dass man auch mit Handel Geld verdienen kann und zeigt sich inzwischen vom Format Warenhaus „zutiefst überzeugt“. Und er hat einen Vorteil: Mit der Übernahme durch Signa sind in den meisten Fällen Immobilienbesitz und Betrieb unter einem Dach. Dies könnte dem Management den nun anstehenden ambitionierten Spagat erleichtern: Einerseits die Kosten zu senken, auf der anderen Seite aber auch Luft und die nötigen Finanzmittel zu haben, um die – auch durch hohen Stellenabbau und mehrfache Neuausrichtung in der Vergangenheit geschwächten – Häuser wieder fit zu machen. Davon, wie gut dies gelingt, wird es auch abhängen, wie viele Filialen geschlossen und wie viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Die Belegschaft wird Benko in jedem Fall an seinem jüngsten Versprechen messen, „um jede Filiale kämpfen zu wollen“. Das werden auch die Gewerkschaft Verdi und die Gesamtbetriebsräte tun. Sie pochen auf Standort- und Beschäftigungsgarantien und die Einhaltung des Flächentarifs. Der Knackpunkt: Das Management wird die wegen der Fusionsgespräche auf Eis gelegten Verhandlungen für einen Sanierungstarifvertrag abschließen wollen. Ein solcher gilt bei Karstadt. Erst nach 2020 soll es zurück zum Flächentarif gehen. Es dürfte lange und hitzige Verhandlungen geben, die den Zusammenschluss beider Belegschaften belasten könnten. Um sich gegen den boomenden Online-Handel zu behaupten und die Vertriebsform Warenhaus wieder zu einer erfolgreichen zu machen, sind mutige neue Konzepte nötig – und vor allem Geld, diese umzusetzen. Aus den etwas angestaubten Filialen müssen Erlebnishäuser werden; Marktplätze, die gerade auch die jüngeren online-affinen Kunden anziehen. Warum nicht einen Teil der Flächen zum Showroom des eigenen Online-Shops machen oder an junge Gründer oder kleine Fachhändler vermieten? Präsentation und sachkundige Beratung sind immer noch die Pfunde, mit denen der stationäre Handel wuchern kann. Damit das Multichannel-Geschäft – das Verzahnen von Online-Shop und stationärem Handel – zum Erfolg wird, müssen die bisherigen Plattformen zusammengeführt und ausgebaut werden. Auch das wird zunächst viel Geld verschlingen. Doch die Investitionen sind dringend nötig, um dem Format Warenhaus wieder Leben einzuhauchen und es in die Lage zu versetzen, im harten Wettbewerb mit der boomenden Online-Konkurrenz zu bestehen. Angesichts der vielen Eigentümerwechsel, missglückter Restrukturierungen und fataler Immobiliengeschäfte ist es für beide Traditionshäuser sicher der letzte Versuch, in eine dauerhaft profitable Zukunft zu gehen.

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