Wirtschaft Kunstpelze oft aus echtem Fell
Berlin (afp). Viele als Kunstfell deklarierte Fellkragen oder Mützen-Bommel sind nach Angaben der Stiftung Warentest aus echtem Fell hergestellt.
Obwohl Händler in der Europäischen Union (EU) verpflichtet seien, echte Felle mit einem Hinweis zu kennzeichnen, hielten sich Textilkonzerne offenbar nicht immer daran, wie die Stiftung Warentest berichtete. Viele Pelze stammten vermutlich von Marderhunden, deren Fell oft kostengünstiger sei als die Herstellung von künstlichem Fell. Bei Testkäufen in Berliner Geschäften fand die Stiftung Warentest demnach gleich mehrere falsch ausgezeichnete Textilien – Jacken und Mützen mit einem Verkaufswert zwischen 6 Euro und 90 Euro. Das geht aus einem gestern veröffentlichten Vorabbericht der Zeitschrift „Test“ hervor. Von welchen Tieren die Pelze stammen, konnten die Experten von Stiftung Warentest im Labor nicht eindeutig klären. Der Grund: Die Pelze waren stark mit chemischen Mitteln behandelt. Demnach fanden sich darin erhöhte Werte an Formaldehyd. Der Stoff kann laut Stiftung Warentest unter anderem bei längerem Hautkontakt Allergien auslösen. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes ist es wahrscheinlich, dass falsch deklariertes Kunstfell zum Beispiel von Marderhunden stammt. Deren Fell, das oft aus chinesischen Tierfarmen stamme, sei billiger oder zumindest genauso billig zu bekommen wie Kunstfell. Die Tiere werden oft unter miserablen Bedingungen in chinesischen Farmen gehalten – aber nicht nur dort. Laut Tierschutzbund werden Verbraucher zum Teil bewusst, zum Teil aus Nachlässigkeit der Hersteller und Händler getäuscht. Bewusste Täuschung finde dann statt, wenn ein Händler ein billiges Produkt vertreiben wolle und Sorge habe, dass die Käufer ausblieben, wenn es als Echtfell deklariert werde. Nachlässigkeit liege dann vor, wenn zu wenig Wert auf die Rückverfolgung der Produkte gelegt wird. Zusätzlich zu den Testkäufen befragte Stiftung Warentest 23 Anbieter, welche Pelze sie verwendeten und woher sie stammten. 17 von ihnen reagierten nicht auf die Anfrage. Wo genau ihre verwendeten Felle produziert wurden, habe kein Unternehmen preisgegeben. Warentest rät Verbrauchern, die Textilien selbst zu prüfen. So habe echtes Fell eine feine Unterwolle und bewege sich schon bei leichtem Hineinpusten. Kunstfell dagegen sei steifer. Beim Scheiteln der Haare komme bei echtem Fell zudem immer Leder zum Vorschein, bei Kunstpelz sei Gewebe zu sehen.