USA
Kulturstreit ums Kult-Bier: Bitte kein Bud!
Äußerlich wirkt das Getränk wie eine blasse Apfelschorle. Sein süßlich-dünner Geschmack hinterlässt einen leicht metallischen Nachhall. Es gibt also gute Gründe, beim Bierkauf in den USA einen Bogen um die blauen Flaschen und Dosen von Bud Light zu machen.
Doch der Boykott, der das meistverkaufte Bier Amerikas gerade nach zwei Jahrzehnten vom Thron gestoßen hat, hat nichts mit der Sensorik des auf 4,2 Prozent gezügelten Hopfen-Malz-Reis-Safts zu tun. Er ist vielmehr Ausdruck eines vergifteten Klimas, das inzwischen selbst den abendlichen Griff zum kühlen Hellen zu einem Akt des Kulturkampfes macht.
Überalterte männliche Kundschaft
Angesichts seiner überalterten männlichen Kundschaft müsse Bud Light dringend „weiterentwickelt“ und „inklusiver“ werden, hatten die Marketingexperten des Brauereikonzerns Anheuser-Busch kürzlich befunden. In einem ersten Schritt schickten sie der Trans-Frau Dylan Mulvaney, einem Tiktok-Star mit mehr als zehn Millionen Fans, eine personalisierte Dose des Light-Bieres mit ihrem Konterfei. Damit stieß die 26-Jährige am 1. April in einem kurzen Social-Media-Spot auf den Jahrestag ihres Geschlechterwechsels an.
Absatz um ein Viertel gesunken
Für Amerikas Rechte war das zu viel. Der Sender Fox News schäumte, die Trump-Anhänger tobten, und Floridas Gouverneur Ron DeSantis zeterte über eine konzertierte Aktion finsterer Konzerne, die das gute alte Amerika zerstören solle. Sofort brach das Geschäft ein. Es half nichts, dass Anheuser-Busch eilig beteuerte, man habe nie „Menschen entzweien“ wollen, und eifrig Spots mit traditionell konservativer Country-Musik schaltete.
Um 24 Prozent stürzte der Absatz von Bud Light im Mai gegenüber dem Vorjahr ab. Damit ist der Spitzentitel weg. Die Anhänger der rechten „America-First“-Bewegung haben mit ihrer LGBTQ-feindlichen Hetze trotzdem einen Pyrrhussieg errungen: Mit dem Budweiser-Konzern Anheuser-Busch haben sie einen der bislang größten Sponsoren der republikanischen Partei getroffen. Neuer US-Marktführer aber ist nun Modelo – ein mexikanisches Lager.