Wirtschaft
Kommentar zum Handelsstreit USA/China: Düstere Aussichten
Nicht nur Donald Trump, auch die Demokraten wollen Chinas wirtschaftlichen Aufstieg stoppen. Washingtons harte Haltung gegen Peking dürfte deshalb weit über Trumps Präsidentschaft anhalten – auf Kosten der meisten Länder der Welt.
Von Felix Lee
Die USA hatten genau das zu Beginn von Chinas Reformpolitik vor 40 Jahren gefordert: Die Öffnung seiner Märkte, der Zugang für ausländische Investoren, der Abbau von Zöllen und anderen Handelsbeschränkungen. Nicht in allem ist die kommunistische Führung in Peking gefolgt. Die Staatswirtschaft dominiert bis heute das Wirtschaftsleben in der Volksrepublik, die Kapitalkontrollen bleiben streng. Zudem subventioniert Chinas Führung auch weiterhin massiv ihre von ihr definierten Schlüsselindustrien.
Wirtschaft massiv umgebaut
Und doch hat China wie vom Westen gefordert in den vier Jahrzehnten seine Wirtschaft massiv umgebaut, sie liberalisiert und auf diese Weise den umfassendsten Globalisierungsschub ermöglicht, den die Weltwirtschaft jemals gesehen hat. Unter anderem das hat die Führung anlässlich des 70. Jahrestags der Gründung der Volksrepublik am Dienstag mit einer großen Militärparade gefeiert.
Von dieser Entwicklung haben viele Länder profitiert: Zunächst von billig in China produzierten Konsumartikeln, mit zunehmendem Wohlstand der Chinesen von einem neuen gigantischen Absatzmarkt. Heute ist China größte Handelsnation und zweitgrößte Volkswirtschaft. Zugleich ist China größter Gläubiger der USA. Denn die vielen Exportüberschüsse hat Peking in US-Staatsanleihen gesteckt. Sprich: Die Chinesen finanzieren den Staatshaushalt der Amerikaner.
Trump will Chinesen zurückdrängen
All das ist US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge. Hatten seine Vorgänger von den Chinesen noch offene Märkte gefordert, wird das nun von Trump ins Gegenteil verkehrt. Mit Strafzöllen auf so ziemlich alle chinesischen Waren will er die Chinesen von den Weltmärkten wieder zurückdrängen. Diese Entkopplung der beiden Volkswirtschaften ist schmerzhaft. Und beide bekommen das bereits zu spüren. Mit zuletzt 6,2 Prozent ist Chinas Wachstum so gering ausgefallen wie seit 30 Jahren nicht. Auch die USA kämpft mit schwachen Wachstumszahlen und ersten Firmenpleiten. Andere Länder bekommen den Handelskrieg ebenfalls zu spüren. Insbesondere für Deutschland, das wie kein anderes westliches Industrieland sowohl von Chinas Aufstieg als auch von der Konsumbesessenheit der Amerikaner profitiert hat, trübt sich die Wirtschaft ein.
Den Dollar infrage gestellt
Die Strafzölle sind aber nur der Beginn eines lang andauernden Konflikts zwischen beiden Supermächten. So hat Peking schon lange vor Trump die Vormachtstellung des Dollars infrage gestellt und angekündigt, die eigene Währung, den Renminbi, als zweite Weltwährung zu etablieren. Das passt Washington natürlich überhaupt nicht. Ein weiteres Feld, auf dem der Konflikt bereits schwelt, ist die Geopolitik, mit Brennpunkten wie die Südchinesische See, Taiwan bis hin zum Ausgreifen Pekings nach den Ressourcen Afrikas, Lateinamerikas und Zentralasiens.
Was neue Technologien betrifft, ist China auf bestem Wege, zur Weltspitze aufzusteigen. In keinem Land werden sowohl vom Staat als auch der Privatwirtschaft so ungehemmt viele Daten gesammelt wie in der Volksrepublik. Daten sind der Rohstoff für Künstliche Intelligenz. In dieser Zukunftstechnologie dürfte China schon bald sogar dem Silicon Valley einiges voraus haben.
Auf Kosten anderer Länder
In all dem sieht keineswegs nur Trump eine Gefahr. So uneins sich Republikaner und Demokraten in den meisten Dingen sind – im Verhältnis zu China herrscht mittlerweile ein breiter Konsens: Mit unfairen Mitteln hätten sich die Chinesen Wettbewerbsvorteile verschafft, amerikanische Arbeitsplätze zerstört und die Vormachtstellung der USA herausgefordert. Die politischen Eliten sind daher zum Schluss gekommen, dass Chinas Aufstieg gestoppt werden muss. Washingtons harte Haltung gegen Peking – sie dürfte daher weit über die Präsidentschaft Trumps anhalten. Und das auf Kosten der meisten Länder auf der ganzen Welt.