Wirtschaft Kommentar: Zu viele Fehler

Trotz hoher Investitionen in den Schienenverkehr steckt Bombardier tief in der Krise. Ob die aktuelle
Sanierung hilft, ist fraglich.
Jeder weiß, dass die enormen Verkehrs- und Klimaprobleme rund um den Globus nur gelöst werden können, wenn der umweltfreundliche Schienenverkehr massiv ausgebaut wird. Auch in Deutschland werden dafür riesige Summen investiert. Doch ausgerechnet Europas größter Hersteller von Zügen, U- und Straßenbahnen steckt dennoch seit Jahren tief in der Krise. Und nun sollen bei Bombardier weitere 2500 Jobs in Deutschland wegfallen. Wie kann das sein? Hauptgrund ist zweifellos jahrelanges Missmanagement. Denn mit Aufträgen ist der Konzern bis 2020 bereits gut ausgelastet. Aber bisher hat man es nicht verstanden, Lieferverträge und Produktion so zu gestalten, dass unterm Strich auch Gewinne stehen. Im Gegenteil: Immer wieder enttäuschte Bombardier auch Großkunden wie die Deutsche Bahn mit Liefer- und Qualitätsproblemen, die auch Millionen Fahrgäste treffen, wenn etwa Modelle mehr in Reparatur als unterwegs sind. Ob das aktuelle Sanierungskonzept Besserung bringt, ist fraglich. Die weitere Verlagerung von Produktion in Billiglohnländer scheint programmiert. Die Konzernzentrale in Montreal suchte bereits vergeblich Käufer für die Bahnsparte, auch eine Fusion mit Siemens wurde erwogen. Das schafft nicht gerade Vertrauen, dass die Kanadier noch an das Geschäft glauben. Für die Politik kommen die Turbulenzen kurz vor der Bundestagswahl ungelegen. Hinter den Kulissen wird auch über Fördermittel nach Kompromissen gesucht, um zumindest Massenentlassungen zu vermeiden. Dabei drängt sich eine Maßnahme auf: Ein umfassendes staatliches Investitionsprogramm für den Schienenverkehr-Ausbau würde der gesamten Bahn-Branche am meisten nutzen – und ebenso Millionen Reisenden.