Wirtschaft
Kommentar zu Trumps Strafzöllen: Dumme Kriege und durchsichtige Manöver
Mit seinen Handelskriegen schadet US-Präsident Trump dem eigenen Land. Um seine Wiederwahl nicht zu gefährden, wird er einlenken.
Die Handelskriege, die Donald Trump mit China und vielen weiteren Wirtschaftsregionen seit fast zwei Jahren führt, sind so dumm wie der Spruch des US-Präsidenten, wonach Handelskriege für die USA „leicht zu gewinnen“ seien. Ausgerechnet der Präsident des Landes mit der weltgrößten Volkswirtschaft sabotiert das Räderwerk der internationalen Arbeitsteilung mit seinen Strafzöllen.
Die Unsicherheit, die er damit bei Unternehmen – auch im eigenen Land – ausgelöst hat, lähmt die Wirtschaft. Investitionen werden gestrichen oder verschoben. Die Folge: Seit der Weltfinanzkrise der Jahre 2008 und 2009 ist die Weltwirtschaft noch nie so schwach gewachsen wie in diesem Jahr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für 2019 nur noch ein Plus der globalen Wirtschaftsleistung von 3 Prozent.
Durchsichtige Wahlkampftaktik
Dass Trump jetzt, ein knappes Jahr vor den US-Präsidentschaftswahlen, die er gewinnen will, in den Handelsschlachten zurückrudert, war zu erwarten. Das sich abzeichnende Einlenken ist aber nicht das Ergebnis eines volkswirtschaftlichen Lernprozesses in Sachen Wohlfahrtsgewinne durch Außenhandel. Sondern es handelt sich um ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver.
Denn auch in den USA sind Industrieproduktion und Investitionen zuletzt gesunken. Die gesamte US-Wirtschaft läuft wegen der guten Konsumstimmung der Verbraucher zwar noch gut. Aber die Stimmung in den Unternehmen hat sich verschlechtert. Es droht in Rückschlag im Vorfeld der Wahl Anfang November 2020. Aus Sorge vor einem Konjunktureinbruch hat die US-Notenbank gerade ihren Leitzins gesenkt.
Die Aktienmärkte kann Trump mit Friedenssignalen im Handelskrieg von einer Sekunde zur nächsten zum Jubeln bringen. Um positive Effekte in der Realwirtschaft auszulösen, ist aber ein langer Vorlauf nötig. Offenbar wird der jetzt gestartet.