Wirtschaft Kommentar: Verkehrte Welt

US-Präsident Trump wird seine
Wirtschaftspolitik an die Realität
anpassen müssen, sonst wird es viele Verlierer geben – auch in Amerika.
US-Präsident Donald Trump hat behauptet, dass sich die deutsche Wirtschaft mit unfairen Praktiken Vorteile erschleiche. Deshalb verkauften die Deutschen zu viel in die USA, viel mehr jedenfalls als die Amerikaner nach Deutschland. Und was machen die Amerikaner? Sie kaufen im ersten Quartal noch mehr Waren ausgerechnet in Deutschland. Die Folge: Mit keinem anderen Land der Welt erzielte Deutschland einen höheren Handelsbilanzüberschuss im ersten Quartal als mit den USA. Das ist politisch gerade besonders heikel. Denn Trump hat erst kürzlich klargestellt, dass es im Kern seiner Wirtschaftspolitik um Handel gehe. Der müsse vor allem fair sein. Das heißt: irgendwie ausgeglichen, wenn nicht völlig ausgeglichen. Andernfalls, so Trump, müssten enorme, ja gewaltige Veränderungen dafür sorgen, dass diese schrecklichen Handelsbilanzdefizite verschwinden. Jetzt lief es zwar trotz der Trump’schen Machtübernahme in der US-Wirtschaft nicht ganz so rund im ersten Quartal. In einzelnen Bereichen jedoch brummte es. Etwa bei den Investitionen. Und die dazu nötigen Investitionsgüter wie Maschinen und Fahrzeuge kauften die Amerikaner besonders gerne in Deutschland. Offenbar finden sie die Produkte irgendwie gut. Damit werden auch noch amerikanische Jobs geschaffen. Für Trump ist das nicht fair. Übrigens investieren deutsche Unternehmen viel mehr in den USA und damit in neue Jobs dort, als amerikanische Firmen hierzulande. Ist das auch nicht fair? Trump wird seine großartige Wirtschaftspolitik noch an der Realität nachschärfen müssen. Sonst wird nämlich nicht America great again, sondern die Probleme werden gewaltig.