Wirtschaft Kommentar: Pragmatismus gefragt

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Fernzüge werden auch außerhalb der Ballungsgebiete gebraucht. Bei diesem Thema verhält sich die Deutsche Bahn nun sehr viel konstruktiver als früher.

Die deutschen Bundesländer fordern schon lange, dass der Bund als Aufgabenträger für den Bahn-Fernverkehr fungiert, um eine bessere Koordinierung von Nah- und Fernverkehr zu ermöglichen. Bisher entscheidet über den Bahn-Fernverkehr in Deutschland fast allein die Deutsche Bahn (DB), unter deren mangelnder Verlässlichkeit gerade Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit erheblich zu leiden hatte. In Frankreich gab es bisher das, was die deutschen Bundesländer fordern. Der Staat bestellte Fernzüge außerhalb des TGV-Netzes. Finanziert wurden diese TET (Trains d’équilibre du territoire) genannten Züge allerdings größtenteils durch eine Steuer auf TGV-Tickets. Der französische Staat ist leider kein Beispiel für einen Fernverkehrsaufgabenträger, der gewillt ist, sich dauerhaft und nachhaltig zu engagieren. Dies erfordert den Einsatz eigener Mittel in signifikanter Höhe. Gerade im Kontext der konkreter werdenden Pläne für einen Deutschland-Takt wäre es die beste Lösung, wenn der Bund als Aufgabenträger für den Fernverkehr agiert und die Aufträge so in Ausschreibungen vergibt wie das die Länder im Regionalverkehr tun. Ein Durchbruch zu einer solchen Lösung ist aber derzeit nicht in Sicht. Sehr viel konkretere Perspektiven für baldige Verbesserungen bietet eine andere Entwicklung. Anders als vor 15 Jahren, als die DB ihr Fernzug-Angebot durch die Aufgabe vieler Interregio-Linien wie der von Saarbrücken durch die Pfalz nach Stuttgart und Lindau massiv reduzierte, ist die DB derzeit bemüht, ihr Angebot auszuweiten. Aus Sicht der Bahnkunden ist es dabei eine optimale Lösung, wenn Fernzüge auf Teilstrecken mit Nahverkehrs-Tickets genutzt werden können, weil das betroffene Land der DB hierfür einen Ausgleich zahlt statt separate Regionalzüge zu bestellen. Ein solches Modell wird schon mit Erfolg auf der Strecke von Bremen nach Emden praktiziert, vereinbart ist es auch für künftige Intercity-Züge auf der Strecke Stuttgart–Zürich. Wenn DB-Konkurrenten wie Abellio (eine Tochter der Niederländischen Staatsbahn) derzeit versuchen, weitere derartige Regelungen durch Klagen zu verhindern, agieren sie damit eindeutig gegen die Interessen der betroffenen Bahnkunden. Damit verspielen sie einen Sympathiebonus, den sie in vielen Fällen als Newcomer bisher hatten.

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