Wirtschaft Kommentar: Keine Panik wegen Stream

Das neue Effizienzprogramm bei Mercedes-Lkw verbreitet zwar nicht Angst und Schrecken. Aber Unruhe herrscht schon bei den Mitarbeitern.
Das aktuelle Kostensenkungsprogramm von Mercedes-Lkw zielt diesmal nicht auf die Produktion. Dort herrscht nach vielen Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität schon ein hoher Leistungsdruck. Die neue Aktion unter der Bezeichnung Stream zielt auf die indirekten Bereiche. Dort machte die Unternehmensleitung offenbar Fehler, die zu einer überbordenden Bürokratie führten. Im Verhältnis zur Anzahl der Indianer gibt es zu viele Häuptlinge. Das soll effizienter und auf Dauer billiger werden. Mit attraktiven Angeboten sollen gut 10 Prozent der 15.000 Mitarbeiter von Mercedes-Lkw in indirekten Bereichen zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Unternehmen bewogen werden. Eine halbe Milliarde Euro lässt Daimler sich das einmalig kosten. Niemand wird gezwungen zu gehen. All das führt dazu, dass Stream an den betroffenen Standorten nicht Angst und Schrecken bei den Belegschaften verbreitet. Aber Unruhe herrscht dort schon. Denn während den Mitarbeitern seit Jahren ein Sparprogramm nach dem anderen verordnet wird, während jetzt wieder die Auslagerung von Tätigkeiten auch in der Produktion geprüft wird, ist die Kartellstrafe von 1 Milliarde Euro, zu der Daimler vor einem Jahr von der EU-Kommission verurteilt wurde, vielen Mitarbeitern noch im Gedächtnis. 14 Jahre lang hatten die großen Hersteller in Europa ihre Preise abgesprochen. Jetzt drohen noch Schadenersatzklagen von Kunden. Der neue Lkw-Chef Martin Daum, der Nachfolger des im Februar überraschend ausgeschiedenen Wolfgang Bernhard wurde, genießt hohes Ansehen bei Arbeitnehmervertretern. Im Unterschied zu Bernhard verkünde er nicht nur, dass bestimmte Maßnahmen nötig seien, sondern erkläre auch, warum das so sei, heißt es. Daum kennt das Werk Wörth gut. Er leitete es von 2006 bis 2009, ehe er Chef des nordamerikanischen Lkw-Geschäfts wurde. Der neue Chef-Trucker verfügt über Fingerspitzengefühl im Umgang mit Mitarbeitern. Er wird es brauchen.