Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Kommentar: Gestalten statt nur Verwalten

Weil immer mehr Wohnungen in Lissabon an Touristen vermietet werden, steigen die Mietpreise horrend. Das Foto zeigt das dortige
Weil immer mehr Wohnungen in Lissabon an Touristen vermietet werden, steigen die Mietpreise horrend. Das Foto zeigt das dortige den Entdeckern gewidmete Denkmal.

Die portugiesische Regierung gibt eine kreative Antwort auf die Frage, wie horrend gestiegene Mietpreise gedrosselt werden können.

Von Judith Schäfer

In den Städten und Ballungsgebieten in Deutschlands wird Wohnen seit Jahren teurer. Wer in Miete wohnt und eine bescheidene Rente zu erwarten hat, ist potenziell von Altersarmut bedroht. Wohnen ist zu der vielleicht bedeutendsten sozialen Frage in Deutschland geworden.

Der deutsche Mietwohnungsmarkt ist dennoch europaweit einer der günstigsten. In den meisten Ballungszentren wie Paris oder London sind Mietwohnungen noch viel teurer als beim deutschen Spitzenreiter München. Dabei sagt die Kaltmiete allein nichts darüber aus, wie belastet ein Mieter ist. Ältere, Alleinstehende und Alleinerziehende zahlen prozentual am meisten für ihre Wohnung – teils bis zu 40 Prozent ihres Einkommens.

Dass in Portugals Städten die Mieten zwischenzeitlich so hoch sind, dass sie gar 100 Prozent des Durchschnittseinkommens übersteigen, macht das Problem in Deutschland nicht weniger besorgniserregend. Der portugiesische Ansatz, jene Vermieter von der Steuer auf ihre Mieteinnahmen zu befreien, die 20 Prozent unter dem Ortsüblichen bleiben, ist gleichwohl bedenkenswert. Auch, wenn die Obergrenzen, die die Regierung für Lissabon, Porto und andere Metropolen festgeschrieben hat, immer noch weit über dem liegen, was für den durchschnittlich verdienenden Portugiesen (Jahresgehalt 2018: 9658 Euro) machbar ist: Die Verantwortlichen beweisen in dem südeuropäischen Land angesichts der Problematik Kreativität, an der es der deutschen Bundesregierung vielfach mangelt. Ob ein solcher Schritt – klagefest – mit dem deutschen Steuerrecht vereinbar wäre, ist dabei eine andere Frage.

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