Wirtschaft
Kommentar: Auf ABB aber kommen unruhige Zeiten zu

Der Verkauf der Stromnetzsparte stellt zwar ABB-Großinvestor Cevian zufrieden, aber für den Rest-Konzern ist die Entscheidung beileibe kein Vorteil.
Lange hat sich ABB-Chef Ulrich Spiesshofer gegen den Druck der aktivistischen Investment-Gesellschaft Cevian gewehrt und die Abspaltung der Stromnetzsparte als falsche Strategie bezeichnet. Dass er diesen Schritt nun doch geht, lässt erahnen, welche harten Kämpfe hinter den Kulissen ausgefochten wurden. Für die Beschäftigten, die zu Hitachi kommen, muss der Verkauf kein Nachteil sein. Die Japaner wollen die Mitarbeiter zu gleichen Konditionen beschäftigen und gelten als Arbeitgeber mit langfristiger Strategie.
Schlag ins Gesicht der Beschäftigten
Auf ABB aber kommen unruhige Zeiten zu. Die Sparte, die als Urzelle des Unternehmens gilt, ist mit anderen Konzernbereichen eng verflochten. Es wird viel Zeit, Kraft, vor allem aber Geld kosten, die Trennung zu vollziehen. Offen ist derzeit auch, ob und wie es gelingt, den Standort Mannheim entsprechend baulich zu teilen. Noch nicht abzuschätzen ist, was der ebenfalls angekündigte Konzernumbau für die Beschäftigten, aber auch für die Bedeutung des Standorts Mannheim heißt, der noch Sitz der deutschen Landesgesellschaft ist. Klar ist aber, dass sich das Unternehmen in den nächsten Jahren sehr viel mit sich selbst beschäftigen wird. Mit der Stromnetzsparte gibt ABB ein Geschäftsfeld auf, das als hochprofitabel gilt und mit Blick auf die Energiewende noch stark an Bedeutung gewinnen wird. Ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten ist die Entscheidung, den Verkaufserlös nicht zu investieren, sondern an die Aktionäre auszuschütten. Dies und die Ankündigung weiterer Einsparungen verheißen nichts Gutes. Großaktionär Cevian ist nach langem Kampf bei ABB nun am Ziel und streicht eine satte Rendite ein. Es würde nicht wundern, zöge sich der schwedische Investor, der schon Bilfinger zu strategischen Entscheidungen genötigt hat, nach der Auszahlung zurück und hielte nach dem nächsten Konzern Ausschau, bei dem durch Zerschlagung ein schneller Gewinn zu machen ist.