Wirtschaft Kaufhof: Wachstum statt Krise
Düsseldorf. Der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson’s Bay Company (HBC) will nach Anlaufschwierigkeiten und einem Chefwechsel bei seiner Warenhaustochter auf Wachstum schalten.
Hudson’s Bay wolle in seinem Europa-Geschäft mit Kaufhof im Zentrum in den nächsten 24 Monaten den Umsatz um 20 Prozent steigern, kündigte Verwaltungsratschef Richard Baker gestern in Düsseldorf an. Dabei sollen auch Neueröffnungen von Geschäften in Deutschland und den Niederlanden helfen. Der Profit soll laut HBC-Vorstandschef Jerry Storch sogar noch schneller steigen. Allein 2017 wolle HBC rund 400 Millionen Euro in Europa investieren, binnen maximal sieben Jahren soll es 1 Milliarde Euro werden. HBC stehe zu Kaufhof, Gerüchte um Verkaufspläne seien „absurd“. „Wir wollen unsere Warenhäuser in Deutschland zu den besten Warenhäusern der Welt machen“, sagte Storch. Das sei auch nötig, denn es seien „herausfordernde Zeiten für die Warenhäuser rund um den Globus“. Die Kundenfrequenz sinke, der boomende Online-Handel sorge für Konkurrenz, und die Bekleidungs-Verkäufe gingen zurück: „Es liegt viel Arbeit vor uns.“ Der nordamerikanische Traditionskonzern HBC wurde 1670 gegründet. 2015 hat er den Sprung nach Europa gewagt und Kaufhof vom Handelsriesen Metro übernommen. Kaufhof mit seinen Warenhäusern in Deutschland und Belgien soll HBC als Basis für die Expansion in Europa dienen. In den Niederlanden ist HBC bereits vertreten. Doch nicht alles läuft rund – im Weihnachtsgeschäft verzeichnete Kaufhof einen Umsatzrückgang. Der Chef des Konkurrenten Karstadt, Stephan Fanderl, berichtete dagegen für sein Unternehmen von Umsatzzuwachs. Hudson’s Bay mit über 460 Filialen weltweit und 66.000 Mitarbeitern hatte zudem im Ende Januar abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 einen Verlust von 516 Millionen Kanadische Dollar (360 Millionen Euro) ausgewiesen. Grund waren unter anderem schlecht laufende Geschäfte bei der Shopping-Website Gilt. „Wir müssen uns auf ein Jahr einstellen, in dem wir um jeden Euro in Umsatz und Ergebnis umso mehr kämpfen müssen“, hatte der scheidende Kaufhof-Chef Olivier Van den Bossche zuletzt zu Protokoll gegeben. Filialinvestitionen müssten zeitlich etwas gestreckt werden. Nun geht er. Sein Nachfolger soll zum 1. Mai der ehemalige Toys’R’Us-Manager Wolfgang Link werden. Dieser verfüge über „herausragende strategische Fähigkeiten“, bescheinigte ihm Storch, der bei Toys’R’Us bereits mit Link zusammengearbeitet hatte. Es sei auch wichtig, dass Link Deutscher und Europäer sei. „Wir sind nicht arrogant und wissen nicht alles besser“, sagte Storch zu Berichten, zwischen nordamerikanischen Eignern und deutschen Managern gebe es Zwist bei der Strategie. Auch werde in Kaufhof mehr investiert als zu Metro-Zeiten. Neue Marken sollen die Verbraucher und vor allem auch jüngere Kunden anlocken. „Wir sorgen für den Wechsel“, betonte Storch. Gelinge dieser, könne die Anzahl der Stellen bei Kaufhof sogar steigen. |rtr