Wirtschaft Kanada unter massivem Druck

Die rasche und unerwartet weitgehende Einigung zwischen den USA und Mexiko über ein neues Handelsabkommen hat Kanada, das an den Gesprächen nicht beteiligt war, völlig überrascht. US-Finanzminister Steve Mnuchin ist zuversichtlich, bald auch eine Handelsübereinkunft mit Kanada zu erzielen.
Außenministerin Chrystia Freeland brach eine Europareise ab und soll nun in Washington das bisherige Nafta-Abkommen als dreiseitigen Vertrag zu erhalten. Kanada muss nun sehen, wie es seine Interessen in dem Deal, das die beiden bisherigen Nafta-Partner aushandelten, verteidigen kann. Premierminister Justin Trudeau sprach bereits mit US-Präsident Donald Trump über die neue Lage. Obwohl das Premierministerbüro mitteilte, die beiden Politiker hätten ein „konstruktives“ Gespräch geführt und Trudeau hoffe weiter auf einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen, sieht sich Ottawa nun immensem Druck ausgesetzt, durch Konzessionen eine Vereinbarung mit den USA zu erreichen. Denn Trump hatte am Montag deutlich gemacht, wie er die Lage sieht. Es werde einen „Deal“ mit Kanada geben, „entweder wird es Zölle auf Autos geben oder wir werden einen ausgehandelten Vertrag haben“. Damit unterstrich Trump seine Entschlossenheit, auf kanadische Autoexporte in die USA Strafzölle bis zu 25 Prozent zu erheben. Dies würde für die Autoindustrie vor allem in Ontario, die zum größten Teil für den US-Markt produziert, möglicherweise aber auch für Autoteileproduzenten in Kanada, die US-Hersteller beliefern, verheerende Folgen mit drohenden massiven Arbeitsplatzverlusten haben. Schockierend ist für Kanada, dass Mexiko eine weitreichende Vereinbarung mit den USA ohne Kanada aushandelte. Kanada hatte von Anfang an Wert darauf gelegt, Mexiko mit an Bord zu haben und nicht nur zweiseitig mit den USA zu verhandeln. Es habe eine informelle Verständigung zwischen Kanada und Mexiko gegeben, keine separaten Vereinbarungen mit den USA zu treffen, heißt es in kanadischen Medien. Nun aber sei eine Verständigung ohne Beteiligung Kanadas zustande gekommen, die weit über die bilateralen Streitthemen zwischen Mexiko und den USA hinausgingen. Die Tageszeitung Globe and Mail berichtet, gestützt auf US- und mexikanische Regierungsquellen, Kanada sei von den USA ausgeblendet worden, weil Verhandlungen mit Kanada härter seien als mit Mexiko. Die USA haben sich in den vergangenen Monaten mehrmals über kanadische Hartnäckigkeit beklagt. Für Trudeau ist nun eine heikle Situation entstanden. Er muss sich in einem Jahr der Wiederwahl stellen und die Beziehungen zu den USA und der Handel sind ein wichtiges Wahlkampfthema.