Wirtschaft
Kahlschlag bei Siemens Energy
Die vor wenigen Tagen geschlossene Zukunftsvereinbarung bei Siemens Energy erfährt mit dem geplanten Abbau von 7800 Arbeitsplätzen weltweit eine erste Belastungsprobe. „Es sind extrem schmerzhafte Einschnitte in Bereiche, die lange das Kerngeschäft getragen haben“, räumt Konzernchef Christian Bruch ein. Deutschland ist mit 3000 Jobs, die wegfallen sollen, am stärksten von den Schrumpfungsplänen betroffen. Weitere 1700 Stellen werden in den USA abgebaut, 3100 Arbeitsplätze im Rest der Welt. Insgesamt streicht die Siemens-Abspaltung bis 2025 im Kraftwerksbereich global gut jeden neunten, in Deutschland gut jeden achten Arbeitsplatz. Zumindest hierzulande werde aber kein Standort geschlossen, versichert Bruch. Das war auch ein Kernelement des jüngsten Zukunftspakts.
Der Manager zeigte sich zuversichtlich, dass es in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Ganz ausgeschlossen sei das aber nicht. Im rasanten Wandel der Energiemärkte weltweit hin zu erneuerbaren Ressourcen müsse Siemens Energy alte, fossile Technologien zurückfahren und profitabler werden, um den Wandel im eigenen Haus finanzieren zu können, begründete Bruch die harten Einschnitte. Es werde vor allem die großen Standorte treffen, an denen Gasturbinen gebaut werden. Zudem reflektiere der geplante Abbau den angekündigten Ausstieg Deutschlands aus dem Bau neuer Kohlekraftwerke.
Abbau voraussichtlich vor allem in Erlangen, Berlin und Mülheim
Damit stehen beim Abbau der 3000 in Deutschland betroffenen Jobs voraussichtlich vor allem Erlangen, das Gasturbinenwerk in der Firmenzentrale Berlin sowie der Standort Mülheim im Fokus. Zu solchen Details würden zunächst die Beschäftigten vor Ort informiert, sagte Bruch. Als Siemens Energy, Betriebsrat und IG Metall Ende Januar ihren Pakt unterzeichnet haben, hatte auf der Arbeitnehmerseite Zuversicht geherrscht. „Diese Vereinbarung ist ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland“, meinte Gesamtbetriebsratschef Robert Kensbock. „Der klare Wille zu einem Weg ohne betriebsbedingte Kündigungen und das Bekenntnis zu Mitbestimmung zeigen, dass bei der Neuausrichtung des Unternehmens die soziale Verantwortung nicht auf der Strecke bleiben muss“, ergänzte IG Metall-Vorstand Jürgen Kerner. Nun folgt die Nagelprobe.
Wie schwierig die wirtschaftliche Lage und der Umbau in Richtung erneuerbare Energien ist, zeigt ein Blick in die Geschäftszahlen von Siemens Energy. Im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2020/21 (30. September) ist der Auftragseingang um ein Viertel auf 7,4 Milliarden Euro eingebrochen. Ursächlich dafür war vor allem das Geschäft mit Windkraft. Andere Zukunftstechnologien wie Wasserstoff befänden sich noch im Stadium von Demonstrationsprojekten, räumt Bruch ein. Er rechnet damit, nicht vor 2025 mit grünem Wasserstoff im großen Stil Umsätze erzielen zu können, mit denen sich auch Geld verdienen lässt. Damit ist in diesem Segment vorerst auch nicht mit nennenswertem Stellenaufbau zu rechnen.
Umsatzplus von 3 Prozent zum Vorjahr im ersten Quartal
Der Umsatz von Siemens Energy stieg im Auftaktquartal 2020/21 um knapp 3 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Bis Geschäftsjahresende hält Bruch noch ein Plus von bis zu gut einem Zehntel für möglich. Der Konzern operiert auch nach Steuern wieder mit knapp 100 Millionen Euro in der Gewinnzone. Voriges Geschäftsjahr stand hier noch ein Milliardenverlust zu Buche.
Der Personalabbau steuere ein Fünftel zum Sparplan bei, so Bruch. 80 Prozent entfielen auf Einkauf, Informationstechnologie (IT), Logistik und Dienstleister. Die Streichpläne verursachten gut eine halbe Milliarden Euro Einmalkosten. Erzielen sollen sie eine jährliche Kostenreduzierung von mindestens 300 Millionen Euro. Bis 2023 soll die operative Gewinnmarge 6,5 bis 8,5 Prozent betragen. Aktuell sind es 3,7 Prozent.