Corona RHEINPFALZ Plus Artikel Kühle Boxen für heiße Ware

In den Thermoboxen von Schaumaplast für den Pharmabereich werden unter anderem auch Organe oder temperaturempfindliche Medikamen
In den Thermoboxen von Schaumaplast für den Pharmabereich werden unter anderem auch Organe oder temperaturempfindliche Medikamente transportiert.

Milliarden Corona-Impfstoffdosen müssen während ihres Transportes in alle Welt selbst über Tage zuverlässig gekühlt werden, damit sie am Zielort noch wirksam sind. Dazu tragen wesentlich Produkte eines Familienunternehmens in Reilingen bei Hockenheim und der BASF bei.

Die Logistikunternehmen stehen bei dem Transport der verschiedenen Corona-Impfstoffe vor mehreren Herausforderungen. Sie müssen nicht nur unterschiedliche Mengen des Vakzins transportieren und lagern, sondern die verschiedenen Impfstoffe erfordern auch drei extrem unterschiedliche Temperaturbereiche – und das oft nebeneinander in einem Fahrzeug oder einem Kühlraum. Und die Transportunternehmen müssen dabei sicherstellen, dass über die gesamte Zeit des Transports der erforderliche Temperaturbereich sehr zuverlässig eingehalten wird. Die Spanne ist dabei groß: Sie reicht von minus 70 Grad Celsius bis plus acht Grad Celsius.

Um das sicherzustellen greifen Logistikunternehmen auf Spezialverpackungen zurück: etwa auf solche der Reilinger Unternehmensgruppe Schaumaplast, die dafür wiederum Rohstoffe des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF verwendet. Schaumaplast entwickelt und produziert unter der Marke Thermocon (nach eigenen Angaben) passive, also stromlos arbeitende Kühlsysteme für die Pharmaindustrie. In den Thermocon-Systemen werden neben Impfstoffen verschiedenste temperaturempfindliche Produkte transportiert. wie beispielsweise Corona-Testkits, Organe, Krebsmedikamente oder Tiersamen.

Bis minus 70 Grad

Die sogenannten Thermoboxen können mit Spezialakkus für unterschiedlichste Temperaturbereiche und verschiedene Volumina ausgelegt werden. Diese Flexibilität bei Größe und Kühlung kommt gerade bei der Corona-Impfstofflogistik zum Tragen, da wegen der unterschiedlichen Eigenschaften der Vakzine drei extrem unterschiedliche Temperaturbereiche bedient werden müssen: minus 70 Grad Celsius, minus 15 bis minus 25 Grad Celsius sowie plus zwei bis plus acht Grad Celsius.

Die Schaumaplast-Gruppe ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit Hauptsitz im baden-württembergischen Reilingen, wo 89 Mitarbeiter beschäftigt sind. An fünf Produktionsstandorten in Deutschland, Polen und den USA werden technische Formteile aus Partikelschäumen wie etwa Styropor hergestellt. Dazu gehören Produkte für Unternehmen aus der Automobil- und Bauindustrie, der Pharma- und Biotechbranche, aber auch der Sport- und Freizeitbranche. Das Unternehmen erzielt nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Vor ihrem Einsatz haben die Schaumaplast-Kühlsysteme für den Pharmabranche und damit den Impfstofftransport eine anspruchsvolle Qualitätskontrolle durchlaufen. In den unternehmenseigenen Klimakammern wurden sie wechselnden Außentemperaturen ausgesetzt, bei denen definierte Temperaturgrenzen über definierte Zeiträume zuverlässig eingehalten werden mussten.

Styropor und Neopor

Hierfür spielen nicht nur der Aufbau der Medizinboxen und ihre Kühlelemente eine wesentliche Rolle, sondern auch die Rohstoffe für die Boxen, die über sehr gute Isoliereigenschaften verfügen müssen. Hergestellt werden sie aus aufschäumbaren Polystyrolgranulaten der BASF, die der Chemiekonzern unter den Marken Styropor und Neopor verkauft. „Wir sind stolz, dass unsere Produkte in der aktuellen Pandemie dazu beitragen, die Impfstoffe sicher und gut gekühlt an ihren Bestimmungsort zu bringen“, sagt Klaus Ries, Leiter des Styrenics-Geschäfts Europa der BASF.

Vor 70 Jahren, 1951, erfand und patentierte BASF den bekannten, weißen Schaumstoff Styropor. 1997 wurde die Weiterentwicklung Neopor auf den Markt gebracht. Er enthält graue Graphitpartikel, die im Vergleich zu weißem Styropor bis zu 20 Prozent verbesserte Dämmeigenschaften besitzen.

So lässt sich mit weniger dicken Dämmplatten die gleiche Dämmleistung erzielen. Bei besonders temperaturempfindlichen Transportgütern, wie Impfstoffen, wird Neopor auch im Verpackungsbereich eingesetzt.

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