Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Käferholz-Schwemme macht Sägern Sorgen

Im zweiten extrem heißen Sommer hintereinander hat der Borkenkäfer in vielen Fichtenbeständen verheerende Schäden angerichtet.
Im zweiten extrem heißen Sommer hintereinander hat der Borkenkäfer in vielen Fichtenbeständen verheerende Schäden angerichtet. Foto: dpa

Die Rohstoffversorgung der Pfälzer Betriebe derzeit gut . Aber die Zukunftsperspektiven sind problematisch

Bei den Pfälzer Sägewerken ist die Lage derzeit relativ stabil und die Rohstoffversorgung gut. Aber die aktuelle Schwemme an Fichtenholz gibt mittel- und langfristig Anlass zur Sorge.Wie Clemens Lüken, der Geschäftsführer des Verbands der rheinland-pfälzischen Säge- und Holzindustrie in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte, ist die Ertragslage der Pfälzer Sägewerke wie im Vorjahr „relativ zufriedenstellend“. Dem von Lüken geleiteten Verband gehören in der Pfalz ebenso wie im Vorjahr 13 Betriebe mit zusammen stabil rund 300 Mitarbeitern an. Lüken schätzt, dass der Umsatz der 13 Betrieb im vergangenen Jahr zusammengenommen um rund 5 Prozent auf etwa 66 Millionen Euro gestiegen ist.

Viel mehr Käferholz als 2018

Die Pfälzer Sägewerke sind laut Lüken derzeit gut mit dem Rohstoff Rundholz versorgt, allerdings „fast ausschließlich mit Käferholz“. Als „Käferholz“ werden im Fachjargon Bäume bezeichnet, die wegen Borkenkäferbefalls gefällt werden mussten. Dies war in diesem Jahr in einem wohl noch nie dagewesenen Ausmaß der Fall, wobei es in Rheinland-Pfalz allerdings regional erhebliche Unterschiede gab.

Lüken nennt dabei folgende Zahlen: 2018 gab es in Rheinland-Pfalz rund 600.000 Festmeter Käferholz, hinzu kamen 400.000 Festmeter „Windwurfholz“ – das ist Holz, das außerplanmäßig durch Stürme angefallen ist.

Pfalz relativ glimpflich weggekommen

In diesem Jahr wird in Rheinland-Pfalz allein mit bis zu 1,7 Millionen Festmetern Käferholz gerechnet, für 2020 werden sogar rund 2 Millionen Festmeter Käferholz erwartet. Grund für die starke Zunahme ist, dass durch die extreme Trockenheit geschwächten Fichten keine Widerstandskraft mehr gegen den Borkenkäfer haben und das warme und trockene Wetter zudem die Massenvermehrung der Borkenkäfer begünstigt. In diesem Jahr fiel allein im rechtsrheinischen Rheinland-Pfalz (Westerwald und Taunus) rund 1 Million Festmeter Kieferholz an, in der Eifel und im Hunsrück sind es je rund 300.000 Festmeter, in der Pfalz knapp 200.000 Festmeter. Der Westerwald ist laut Lüken „teilweise entfichtet“. Im Vergleich dazu sei die Pfalz bisher noch relativ glimpflich davon gekommen.

Fichtenholz könnte knapp werden

Lüken befürchtet, dass das Fichtenholz, das nun wegen des Borkenkäferbefalls den Markt überschwemmt und die Holzpreise drückt, in den kommenden Jahren fehlen wird. Sorgen macht dabei besonders das Szenario, dass die Fichte, traditionell der „Brotbaum der Sägeindustrie“ knapp werden könnte. Laut Lüken kann keine andere Baumart die Fichte „eins zu eins ersetzten“. Am ehesten könne dies vielleicht noch die Weißtanne. Dagegen sei die Douglasie, auf die viele Hoffnungen setzen, „nicht die Trockenfichte“.

Die Sägeindustrie fordert, dass es auch künftig einen Nadelholzanteil von 50 Prozent gibt – nicht als Monokulturen, aber als Teil von einem gesunden Mix, mit dem auch die Industrie leben könne. „Wir brauchen einen Mix aus verschiedenen Nadelhölzern, zu denen auch die Fichte gehört“, sagte Lüken. Allerdings lasse sich derzeit neuer Wald nicht so leicht gezielt aufbauen, weil zumindest kurzfristig nicht die geeigneten Forstpflanzen in der nötigen Menge zur Verfügung stehen.

Kommentar: Auf dem Holzweg

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