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Jetzt neue Sparchancen bei Strom und Gas
Nach den Höchstständen im vergangenen Herbst sind die Einkaufspreise für Strom und Gas spürbar gesunken. Einige Versorger bieten Privatkunden bereits Neuverträge an, die so günstig sind wie seit Ende 2021 nicht mehr, meldet das Vergleichsportal Check24. Oft schlagen sie die Preise der örtlichen Grundversorger und zudem die staatlichen Preisbremsen, die 2023 automatisch gelten. Für Haushalte, deren Grundversorger gerade erhöht hat oder die in einem teuren Sondertarif stecken, tun sich jetzt erstmals wieder Sparchancen auf, sagt Hans Weinreuter, Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Wechseln könne sich lohnen. Aber noch nicht in jeder Region, noch nicht für jeden Kunden.
Wer sollte sich kümmern?
„Den Markt sondieren und einen günstigeren Anbieter suchen, kann wieder interessant sein“, erläutert Weinreuter. Vor allem für Kunden, die um die 50 Cent für die Kilowattstunde (kWh) Strom oder um die 20 Cent fürs Gas zahlen. Aktuell sind es häufig die Grundversorger, die durch die Bank ihre Preise bereits erhöht haben oder noch erhöhen, aber auch bestehende Sonderverträge werden teurer. Neuverträge indes werden wieder günstiger. Noch vor ein paar Monaten sah alles ganz anders aus. Millionen Bürger hatten sich 2022 in die örtliche Grundversorgung fallen lassen, meist aus schierer Verzweiflung über die explodierenden Gas- und Strompreise ihrer Alternativanbieter. Die normalerweise deutlich kostspieligere Grundversorgung war in vielen Regionen plötzlich die bessere Option. Bezahlbare Neuverträge woanders gab es nicht, wie Peter Lassek erklärt, Jurist bei der Verbraucherzentrale Hessen. Jetzt hat sich das Blatt gewendet.
Wann ist richtig Ersparnis drin?
Entlastung für den Geldbeutel bieten Neukundentarife vor allem dann, wenn sie unter den staatlichen Preisbremsen liegen, die in diesem Jahr greifen, wie Weinreuter erklärt. Für Privathaushalte gilt: Mithilfe der Deckelungen zahlen sie 2023 für 80 Prozent ihres bisherigen Verbrauchs einen Arbeitspreis von höchstens 40 Cent pro kWh für Strom, maximal 12 Cent für Gas und 9,5 Cent pro KWh für Fernwärme. Für alles, was ein Haushalt mehr verbraucht, zählt der gültige Vertragspreis. Und das kann nach wie vor teuer werden, wie die Experten des Online-Ratgebers Finanztip vorrechnen. Denn im zweiten Halbjahr 2022 kosteten neue Gasverträge in der Regel mindestens 20 Cent pro kWh und mehr. Stromverträge waren im Herbst nur selten unter 55 Cent zu haben. „Nicht auf den staatlichen Deckel verlassen kann sich rechnen, denn es gibt tatsächlich schon Angebote unterhalb der Energiepreisbremsen“, betont Weinreuter. Vergleichen geht zum Beispiel mithilfe des Rechners von www.finanztip.de oder über Vermittlungsportale wie Verivox und Check24.
Wie viel lässt sich bei Strom sparen?
Beim Saft aus der Steckdose sei bereits spürbar Bewegung in den Markt gekommen, haben die Experten von Check24 beobachtet. Alternativversorger bieten Neukunden günstigere Preise unter 40 Cent je kWh an. Im Schnitt sei für eine vierköpfige Familie (mit 5000 kWh Verbrauch) bei einem Wechsel eine Ersparnis von 243 Euro im Jahr drin. Aber: Nicht überall in Deutschland können Verbraucher schon mit Tarifen unter der Preisbremse rechnen. „Die Angebote sind je nach Region sehr unterschiedlich. Derzeit starten Stadtwerke fast täglich wieder mit dem Neukundenvertrieb, offenbar ist der Wettbewerbsdruck gestiegen“, sagt Lassek.
Wie sieht es bei Gas aus?
Beim Gas sind die Preise vielerorts ordentlich ins Rutschen gekommen, wie Check24 beobachtet hat. Ein Neuvertrag für Gas kostet momentan im Schnitt fast 300 Euro weniger im Jahr als bei örtlichen Grundversorgern, Preisbremse eingerechnet. Für die vierköpfige Familie (mit 20.000 kWh Verbrauch) ist aktuell ein durchschnittlicher Gaspreis von 13,1 Cent pro kWh zu kriegen. Dieses Preisniveau habe es zuletzt im Dezember 2021 gegeben. Allerdings gilt auch hier: Nicht überall gibt es schon so günstige Tarife, nicht jeder Gaskunde kann schon profitieren, so Lassek.
Jetzt wechseln oder noch warten?
Einen pauschalen Rat zum schnellen Wechsel gebe es zurzeit nicht, gibt Weinreuter zu bedenken. Der Markt sei stark in Bewegung. Bis zum Sommer könnten vor allem die Gaspreise noch weiter sinken, ist auch Lassek überzeugt. Wie sich die Preise in Zukunft entwickeln, ist schwer abzusehen, auch neue Teuerungen sind nicht auszuschließen. Grundsätzlich gilt: Wer ein Energie-Schnäppchen deutlich unter den Preisbremsen für Strom und Gas machen kann, sollte nicht zögern. Ob der neue Tarif gleich für zwei Jahre statt für zwölf Monate gefixt werden sollte, müsse jeder selbst entscheiden, so Weinreuter. Alternative: Einen flexiblen Anbieter suchen, der monatlich kündbar ist, was unter anderem Ostrom anbietet. Wer aktuell noch nicht wechseln will, kann sich auch auf die Preisbremsen des Staats verlassen. Sie bieten zumindest bis zum Winter eine gewisse Kostensicherheit. Wer es auch noch schafft, seinen Verbrauch zu drosseln, muss nicht allzu große Nachzahlungen befürchten. Aber: Mit der Deckelung „subventioniert der Staat unterm Strich teure Anbieter“, gibt Finanztip zu bedenken.
Wie geht's raus dem Vertrag?
Wer einen besseren Tarif als den seines Grundversorgers findet, kann umgehend aus seinem Vertrag aussteigen. Die Kündigungsfrist beträgt nur zwei Wochen. Wer in einem Sondertarif steckt, der noch eine Weile gilt, muss sich bis zum Laufzeitende gedulden. Wer sich trotzdem einen aktuell günstigeren Tarif sichern will, kann das sogar häufig sogar tun. Bei so manchen Anbietern lässt sich ein Vertrag bis zu sechs Monate im Voraus abschließen zu den heute gültigen Konditionen. Ob das lohnt, sei allerdings fraglich, gibt Finanztip zu bedenken. Flattert eine Preiserhöhung ins Haus, haben Kunden immer ein Sonderkündigungsrecht.
Und wenn ich zu bequem bin zum Wechseln?
Wer Energiekosten sparen will, aber keine Lust und Zeit hat, sich in nächster Zeit selbst um den Vergleich von Strom- und Gastarifen zu kümmern, kann sich von Wechselservice-Agenturen helfen lassen. Solche Tarifchecker suchen regelmäßig nach günstigeren Anbietern – sofern es bessere Alternativen am Markt gibt. Auf die meisten Wechsel-Dienste sei Verlass, heißt es bei Stiftung Warentest. Für ihren Service verlangen sie eine Provision von 20 bis 30 Prozent der Ersparnis, die der Kunde durch den Wechsel hat.
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