Wirtschaft Jetzt drohen Tagesstreiks

«Frankfurt». Die IG Metall will in dieser Woche 250 Metallbetriebe in ganz Deutschland bestreiken. Bei den diesjährigen Tarifverhandlungen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie geht es um komplizierte Themen zur Arbeitszeit.
Entsprechend schwierig ist eine Einigung. Die IG Metall greift jetzt zu einem neuartigen Mittel des Arbeitskampfes, den bislang noch nicht eingesetzten Tages-Warnstreiks. Allein die Lohnforderung von 6 Prozent liegt schon einen Punkt höher als bei der vorangegangenen Runde im Jahr 2016. Zusätzlich will die IG Metall für alle Beschäftigten die Möglichkeit erstreiten, die Wochenarbeitzeit vorübergehend und längstens für zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden zu reduzieren. Eltern junger Kinder (bis 14 Jahre), pflegende Familienangehörige und Schichtarbeiter sollen bei verkürzter Arbeitszeit einen Ausgleich für entgangenen Lohn erhalten. Insbesondere in den unteren Lohngruppen könne sich sonst niemand kürzere Arbeitszeiten leisten, begründet der IG-Metall-Chef Jörg Hofmann diese „tarifliche Sozialleistung“. Die Arbeitgeber sehen in Ausgleichszahlungen eine drohende Ungleichbehandlung von Menschen, die bereits heute aus familiären Gründen Teilzeit arbeiten und dafür keinen Lohnausgleich erhalten. Diese „Diskriminierung“ sei eine illegale Tarifforderung und könne daher vor den Arbeitsgerichten angegriffen werden. Eine Klage war gestern aber noch nicht eingereicht. Ohnehin halten die Unternehmen in Zeiten der Hochkonjunktur das nach den Flächentarifverträgen verfügbare Arbeitsvolumen für zu gering und wollen eine weitere Verringerung nicht noch subventionieren. Zusätzliche Neueinstellungen seien wegen fehlender Fachkräfte schwierig. Die Verhandlungen sind am vergangenen Wochenende an der Frage der Ausgleichszahlungen gescheitert. Hofmann hatte sie neben dem Lohnplus und der Möglichkeit zu kürzeren Arbeitszeiten zu einem Punkt erhoben, bei dem die IG Metall unbedingt ein Ergebnis erwartet. Bislang waren Warnstreiks auf wenige Stunden begrenzt. Sie begleiteten nahezu jede Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie, in diesem Jahr haben fast eine Million Beschäftigte daran teilgenommen. Da die IG Metall unzufrieden mit der Wirkung war, beauftragte der Gewerkschaftstag 2015 den Vorstand, ein neues Mittel zum Arbeitskampf zu schaffen. Heraus kamen Tages-Warnstreiks mit bis zu 24 Stunden Dauer, bei denen die Teilnehmer im Gegensatz zu den kurzen Warnstreiks auch Streikgeld erhalten sollen. Eine Urabstimmung ist beim neuen Schwert der IG Metall nicht notwendig, letztlich entscheidet der Gewerkkschaftsvorstand, in welchen Betrieben die Arbeit niedergelegt wird. Mit der Spätschicht heute lässt die IG Metall ihre Maschinerie anlaufen. Das ist kaum noch zu stoppen, zumal die regionalen Arbeitgeberverbände bislang nicht erklärt haben, einstweilige Verfügungen gegen die Streiks anzustreben.