Wirtschaft Jeder zehnte Manager zur Täuschung bereit

Jeder zehnte deutsche Manager würde die Regulierungsbehörden oder das eigene Unternehmen täuschen, um seine Karriere zu beschleunigen.
Das geht aus einer Umfrage unter Angehörigen des mittleren Managements in 100 deutschen Firmen hervor, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gestern vorstellte. Weltweit wurden für die Erhebung Vertreter von 4100 Unternehmen in 41 Ländern Europas, des Nahen Ostens und Afrikas befragt. Die Bereitschaft, zum persönlichen Vorteil zu unlauteren Mitteln zu greifen, ist demnach in Deutschland vergleichsweise hoch ausgeprägt. International bejahten 5 Prozent der Befragten, dass sie die Regulierungsbehörden oder die eigene Unternehmensführung falsch informieren würden. Die 10 Prozent Zustimmung unter deutschen Managern seien „ein klares Warnsignal für die Unternehmen“, sagte Stefan Heißner, Leiter des Bereichs Betrugsbekämpfung bei Ernst & Young. Hinzu komme, dass viele Befragte auch über unethisches Verhalten von Kunden, Lieferanten oder Kollegen hinwegsehen würden, wenn es dem eigenen Vorteil diene. Fasst man die Angaben aus diesem Komplex zusammen, so wären 23 Prozent der deutschen Manager „zu unethischem Verhalten bereit“, schlussfolgert Ernst & Young. Jeder neunte deutsche Manager hält zudem Bestechungszahlungen für gerechtfertigt, wenn diese dazu beitragen, „ein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten“. Hier liegt Deutschland allerdings klar unter dem Durchschnitt, auf einen unrühmlichen Spitzenplatz kommt mit 41 Prozent Zustimmung die Türkei. Als bedenklich wertete Studienautor Heißner, dass das Unrechtsbewusstsein ausgerechnet unter den jüngeren Managern offenbar gering ist: Bestechungszahlungen in Krisenzeiten erklärten international 25 Prozent der Befragten unter 34 Jahren für akzeptabel, unter allen Altersgruppen waren es nur 17 Prozent. Die Frage, ob zur Rettung eines Unternehmens „unethische Verhaltensweisen“ gerechtfertigt sein könnten, bejahten 73 Prozent der Jüngeren – im Durchschnitt aller Befragten lag die Zustimmungsquote bei 59 Prozent. Eine Einzelauswertung nach Altersgruppen für Deutschland liegt nicht vor, weil die Fallzahlen zu niedrig sind. Heißner räumte ein, der Begriff „unethisch“ sei weit gefasst. Das sei auch bei der Frage nach in der Vergangenheit bereits beobachteten Missständen zu berücksichtigen: 52 Prozent der befragten deutschen Manager gaben an, dass ihnen im eigenen Unternehmen bereits „unethische Verhaltensweisen“ aufgefallen seien. „Damit kann theoretisch auch eine als ungerecht empfundene Beförderung gemeint sein“, sagte Heißner.