Meinung
In USA besseres Verständnis für Technologiefirmen
Sie sind die neuen Börsenlieblinge: Biontech, Centogene oder jetzt die Tübinger Curevac. Kaum sind die, noch meist kleinen und nicht ertragreichen Unternehmen an der Börse, schon schießt der Aktienkurs beinahe durch die Decke. Es erinnert an die Zeiten des neuen Marktes, kurz vor der Jahrtausendwende. Auch damals suchten immer mehr Jungunternehmen frisches Geld am Aktienmarkt, hatten meist eine ganz passable Story zu bieten und die Aussicht, noch über Jahre hinweg Verluste zu machen. Und doch brummte es an diesem Neuen Markt – bis die Blase platzte, die vielen Anlegern noch immer gut bekannte Dotcom-Blase.
Nun aber scheint es anders zu sein. Curevac und Biontech sind bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die heimtückische Covid-Erkrankung ganz vorne mit dabei, Centogene testet und testet. Der hohe Börsenwert der drei Börsenneulinge lässt sich vor allem damit erklären, dass die Anleger hoffen, dass die Entwicklungen dieser Firmen uns helfen werden, durch die Pandemie zu kommen. Geht das schief, würde auch der Börsenwert rapide sinken – doch daran denkt derzeit niemand.
Aber warum haben sie sich ihr Geld an der US-Technologiebörse Nasdaq geholt, wie viele andere Biotech-Unternehmen auch? Die Antwort ist relativ einfach: Dort werden sie besser verstanden. Amerikanische Investoren, ob Einzelanleger wie Warren Buffett oder auch Pensionsfonds und Versicherungen sind bei ihren Anlageentscheidungen risikobereiter als die meisten deutschen Anleger. Dadurch ist der Markt dort größer und gerade für junge Unternehmen, die für ihre Entwicklungen ständig neues Geld brauchen, viel attraktiver. Das hat sich über die Jahre so entwickelt, und das weiß auch der deutsche Unternehmer Dietmar Hopp, der als Mehrheitseigner von Curevac ganz bewusst diesen Weg gewählt hat.
Und das wird auch vorerst so bleiben. Denn selbst, wenn man hierzulande bereit wäre, mehr Geld in riskante Neuentwicklungen zu stecken, wird es Jahre dauern, bis eine solche Kultur entsteht, die mit dem US-Markt mithalten kann. Aber: Immerhin sind deutsche Unternehmen vorne mit dabei und zudem kann man sich auch von hier aus an ihrem Erfolg beteiligen.