Wirtschaft Handelsstreit und Brexit treffen Chemie

«Frankfurt». Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie bekommt den nahenden Brexit und internationale Handelskonflikte allmählich zu spüren.
Einige Kundenbranchen hätten im ersten Halbjahr aus Verunsicherung die Produktion leicht gedrosselt, andere stagnierten, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) gestern in Frankfurt mit. Im zweiten Quartal konnte die drittgrößte deutsche Industriebranche ihren Umsatzrekord zum Jahresauftakt nicht übertreffen. Von April bis Juni verharrte der Erlös gemessen am ersten Quartal bei knapp 50 Milliarden Euro. Die Produktion stieg nur leicht. Gemessen an der gleichen Vorjahreszeit gab es aber ein Umsatzplus von 5,8 Prozent. Zwar rechne in der Branche kaum jemand mit einem baldigen Abschwung. Aber viel deute darauf hin, dass die Nachfrage im zweiten Halbjahr nachlasse, sagte VCI-Präsident Kurt Bock. „Insbesondere die Exporterwartungen sind nicht mehr so positiv wie zu Jahresbeginn.“ Im zweiten Quartal retten kräftige Ausfuhren nach Asien und in die USA sowie starke Pharmageschäfte die Bilanz. Während im Ausland das achte Umsatzplus in Folge erzielte wurde, sanken die Erlöse im Inland leicht. Die Sorge vor einem eskalierenden Handelsstreit der USA mit Europa und China und einem unkontrollierten Brexit belaste die Nachfrage der heimischen Industrie, so der VCI. Für das Gesamtjahr hält die Branche ihre Prognose aufrecht. Der VCI peilt ein Umsatzplus von 4,5 Prozent auf den Rekordwert von 204 Milliarden Euro an.