Börse RHEINPFALZ Plus Artikel Höhenflug der Aktienkurse: Wie lange steigt der Dax noch?

Um sie herum war die Stimmung zuletzt gut: die traditionelle Opening Bell (Eröffnungsglocke) der Frankfurter Börse.
Um sie herum war die Stimmung zuletzt gut: die traditionelle Opening Bell (Eröffnungsglocke) der Frankfurter Börse.

Seit dem Jahreswechsel ist der Deutsche Aktienindex um acht Prozent geklettert. Nun müssen die Unternehmen Fakten liefern. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema.

Die ersten Wochen des Jahres sind für viele Aktionäre sehr gut gelaufen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat zum Höhenflug angesetzt, ist um acht Prozent gestiegen.

Was befeuert die Kursrallye an den Börsen?
Die deutsche Wirtschaft ist bislang um einiges besser durch den zugleich auch recht milden Winter gekommen, als es befürchtet worden war. Eine Gasmangellage ist ausgeblieben. Der Börsenpreis für Erdgas ist aktuell sogar niedriger als vor Beginn des Ukraine-Kriegs, was darauf hoffen lässt, dass die Endkundenpreise für Unternehmen und Verbraucher zumindest nicht weiter steigen.

Warum schlägt sich der Dax besser als andere Indizes?
Da in den Vereinigten Staaten die Energieversorgung nie gefährdet war, profitieren von der Erleichterung über die Überwindung der Krise nun besonders europäische Aktien. Und: Das Ende der Null-Covid-Politik in China dürfte gerade der deutschen Industrie nützen, weil für sie die Volksrepublik ein wichtiger Absatzmarkt ist. Wenn nach der aktuellen Corona-Welle die chinesische Konjunktur wieder anspringt, dürfte die Nachfrage nach Autos und Maschinen aus Deutschland steigen – gleichzeitig sinkt die Gefahr, dass die Lieferung von Vorprodukten aus China ausfällt.

Ist die Gefahr einer Rezession gebannt?
Ein tiefer Einbruch der Wirtschaftsleistung ist mittlerweile unwahrscheinlich. Doch die Erleichterung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kaufkraft der Verbraucher unter der hohen Inflation leidet. Der private Konsum, der nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts im vierten Quartal noch eine Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verhinderte, könnte als Konjunkturstütze wegbrechen. Im Gegensatz zur Bundesregierung mit ihrer aktuellen Prognose von 0,2 Prozent Wirtschaftswachstum 2022 erwarten einige Ökonomen weiter eine Rezession: Die Landesbank Baden-Württemberg beispielsweise rechnet für das Gesamtjahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent, ebenso die Commerzbank. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nur im laufenden Quartal schrumpft und danach wieder wächst. Das gleiche Muster erwartet auch das Ifo-Institut. „Insgesamt wird die gesamtwirtschaftliche Produktion im Jahr 2023 damit voraussichtlich stagnieren“, erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser Mitte Januar.

Werden die Kurse also sinken?
In den nächsten Monaten sind Rückschläge durchaus wahrscheinlich. Denn wenn der Konsum zurückgeht, dürften auch die Margen vieler Unternehmen unter Druck geraten. Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp werden die Gewinne der 40 im Dax notierten Konzerne 2023 im Schnitt zehn Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr. Hürkamp erwartet deshalb „nervöse Aktienmärkte mit überdurchschnittlich hohen Kursschwankungen“. Der Chef-Anlagestratege der DZ Bank, Sven Streibel, weist indes darauf hin, dass schon in den vergangenen Monaten vor Gewinneinbrüchen gewarnt wurde – die in der Breite ausblieben. „Nun folgt die Stunde der Wahrheit im Zuge der Berichterstattung über die nominalen Quartalsgewinne der Unternehmen für das vierte Quartal.“

Sollte man mit dem Aktienkauf demnach warten?
Nach Einschätzung der LBBW könnte der Dax nach einem schwierigen ersten Halbjahr bis zum Jahresende auf 16.000 Zähler steigen. Die Landesbank hat ihre Prognose gerade um 500 Punkte erhöht, andere Banken halten sich damit noch zurück. Doch auch wenn weitere Kurssprünge in diesem Jahr ausbleiben sollten: Im historischen Vergleich seien deutsche Aktien „nicht übermäßig teuer“, hebt Ulrich Stephan hervor, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Damit bestehen gute Chancen, dass – wenn die Wirtschaft tatsächlich auf einen stabilen Wachstumspfad zurückkehrt – sich auch der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten stabilisiert. Wann dieser Punkt erreicht ist, weiß man ohnehin immer erst hinterher.

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