Wirtschaft Google erhebt Lizenzgebühren

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte Google im Juli mit der Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro belegt.
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte Google im Juli mit der Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro belegt.

«Mountain View.» Google ändert nach der EU-Rekordstrafe sein Geschäftsmodell beim dominierenden Smartphone-Betriebssystem Android und lässt die Gerätehersteller erstmals für die Apps des Internet-Konzerns in Europa bezahlen.

Bisher konnten die Handy-Hersteller Anwendungen wie Googles Karten oder den Play Store kostenlos auf ihren Geräten vorinstallieren, waren dafür aber an Bedingungen gebunden, die aus Sicht der EU-Kommission den Wettbewerb verzerrten. Google machte keine Angaben zur Höhe der Lizenzgebühren. Ob das neue Bezahlmodell die Preise für Android-Smartphones steigen lassen wird oder die Hersteller in dem extrem umkämpften Markt die höheren Kosten auffangen, statt sie an Verbraucher weiterzureichen, ist offen. Es könnte auch vorkommen, dass einige Smartphone-Hersteller auf die Vorinstallation bestimmter Google-Anwendungen verzichten. Das Android-Betriebssystem selbst sollen die Hersteller weiterhin kostenlos bekommen, betonte Google. Android-Geräte haben einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent beim Smartphone-Absatz. Die EU-Kommission betonte, dass es nicht zu ihren Forderungen gehörte, Android-Apps kostenpflichtig zu machen. Es sei die Angelegenheit von Google, wie genau die von der Behörde beanstandeten Wettbewerbsverzerrungen ausgeräumt würden. Die Kommission werde aufmerksam verfolgen, wie Google die Vorgaben erfülle und ob die Maßnahmen des Konzerns effizient seien. Der Internet-Konzern präsentierte auch andere Pläne, die den Brüsseler Vorwurf eines unfairen Wettbewerbs bei Android ausräumen sollen. Unter anderem sollen Gerätehersteller künftig Google-Dienste wie digitale Karten auch ohne die App für die Google-Internetsuche oder den Webbrowser Chrome installieren können. Das war eine zentrale Forderung der EU-Wettbewerbshüter. Sie sahen in der Zwangsbündelung aller Google-Apps einen Versuch, die Dominanz des Konzerns bei der Internetsuche auf dem PC auch auf Smartphones zu übertragen. Google schafft auch die Voraussetzung dafür, dass die Hersteller von Smartphones und Tablets mit Google-Diensten parallel auch Geräte mit abgewandelten Android-Versionen auf den Markt bringen dürfen. Bisher mussten sie sich verpflichten, keine Android-Abwandlungen zu verkaufen, wenn sie Apps des Internet-Konzerns auf ihren Geräten haben wollten. Auch darin sah die Kommission unfairen Wettbewerb. Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hatte Google im Juli mit der Rekordstrafe von 4,34 Milliarden Euro belegt. Google will die Strafmaßnahme anfechten und reichte vergangene Woche Widerspruch ein. Während dieser jahrelang durch die Gerichtsinstanzen gehen könnte, muss Google die Forderungen der EU-Kommission nach einer Änderung des Geschäftsmodells in Europa umgehend umsetzen.

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