Frankfurter Börseninfo RHEINPFALZ Plus Artikel Geht die EZB vom Gaspedal?

Die EZB hat ihren Sitz in Frankfurt.
Die EZB hat ihren Sitz in Frankfurt.

In München wird diese Woche die Internationale Automobilausstellung (IAA) eröffnet. Derweil könnte die Europäische Zentralbank einen Gang runterschalten.

Während auf der Internationalen Automobilmesse (IAA) in München über PS-Stärken fachgesimpelt wird, wird in Frankfurt über eine Entschleunigung diskutiert. Das liegt nicht daran, dass Frankfurt die Messe an München verloren hat. Vielmehr geht es um die weiterhin am Main ansässige Europäische Zentralbank (EZB).

Auf seiner zweitägigen Sitzung am Mittwoch und Donnerstag könnte der EZB-Rat beschließen, das Tempo zu drosseln, mit dem die Notenbank Geld in die Märkte pumpt. Die EZB kauft dazu Staatsanleihen von Banken, Versicherungen und anderen Großinvestoren. Zuletzt gab sie dafür allein unter dem in der Coronakrise aufgelegten Notprogramm PEPP monatlich über 80 Milliarden Euro aus. In einer Umfrage unter 42 Volkswirten durch die Nachrichtenagentur Reuters äußerte eine Mehrheit die Erwartung, dass die EZB das monatliche Kaufvolumen reduzieren wird.

Dämpfer für Aktienkurse?

Eine Weichenstellung für einen Ausstieg aus den umstrittenen Anleihekäufen wäre das noch nicht, meint Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. Immerhin gibt es neben dem PEPP noch ein zweites Kaufprogramm, das APP. Gleichwohl: Sollte die EZB beim PEPP einen Gang runterschalten, wäre das ein Signal, dass sie die Wirtschaft trotz anhaltender Coronapandemie auf einem guten Weg sieht.

Das wäre eine erfreuliche Nachricht – könnte den Aktienkursen aber einen Dämpfer verpassen. Denn die Kursrallye, die schon kurz nach dem Börsencrash bei Ausbruch der Coronakrise einsetzte, wurde nicht zuletzt von den Geldspritzen der EZB und anderer Notenbanken getragen.

Experten in Mannheim

Allerdings dürfte die EZB – wenn sie die Anleihekäufe tatsächlich drosselt – die Zügel nur ganz behutsam straffen. Gedämpft wird die wirtschaftliche Erholung schließlich weiter durch Lieferengpässe, wie am Dienstag die Zahlen zur deutschen Industrieproduktion im Juli erneut zeigen dürften. Der seit Monaten anhaltende Materialnotstand dürfte auch den ZEW-Index drücken. Dieses wichtige Konjunkturbarometer des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung wird am Dienstag veröffentlicht.

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