Wirtschaft Ford streicht jede zehnte Stelle
«Detroit.» Ford will seine Stammbelegschaft in Nordamerika und Asien um 10 Prozent reduzieren. Damit sollen die Gewinne erhöht und der Aktienkurs nach oben getrieben werden, sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Ford-Aktien waren gestern an den US-Börsen tatsächlich gefragt. Ihr Kurs kletterte um 0,6 Prozent. Laut IG Metall gilt an den deutschen Standorten Köln und Saarlouis, wo der Autobauer knapp 24.000 Mitarbeiter hat, allerdings bis 2021 eine Beschäftigungssicherungsvereinbarung.
Die US-Autobranche steht nach Jahren des Booms vor einer ungewissen Zukunft. Die Verkäufe dürften Analysten zufolge in diesem Jahr wieder leicht schrumpfen. Die Ford-Mitarbeiter in Nordamerika und Asien sollten mit großzügigen Anreizen zu Vorruhestandsregelungen motiviert werden. Kürzungen bei Zeitarbeitskräften seien dagegen nicht vorgesehen. Das Vorhaben ist Teil eines bereits öffentlich gemachten Plans, die Kosten um 3 Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) zu senken. Der Autokonzern dürfte die Stellenstreichungen in den kommenden Tagen bekannt geben. Derzeit arbeiten alles in allem rund 202.000 Menschen in Vollzeit und in Teilzeit für den Autobauer. Ford hatte Anfang 2017 auf den Bau einer großen Fertigungsanlage im mexikanischen San Luis Potosí verzichtet und versprach stattdessen, Hunderte neue Arbeitsplätze in den USA zu schaffen. Die Konzernführung versicherte dabei, hinter der Entscheidung stünden wirtschaftliche Überlegungen und keine politischen Erwägungen. Im US-Bundesstaat Michigan will Ford demnach 700 Jobs schaffen. Vor allem aber in den USA schwächelt der Verkauf: Im April ging der Absatz um 7,2 Prozent auf knapp 215.000 Fahrzeuge zurück. Experten rechnen damit, dass die Verbraucher in den USA in diesem Jahr erstmals seit 2009 weniger Autos kaufen werden als im Vorjahr. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, Ford wolle Kosten reduzieren und „so schlank und effizient wie möglich“ werden. Die Informationen über den Stellenabbau wollte der Sprecher nicht kommentieren. Die IG Metall Nordrhein-Westfalen teilte mit, das Thema werde in dieser Woche auf einer Sitzung des Europabetriebsrates angesprochen. Ford-Chef Mark Fields hat in den vergangenen Jahren viel in neue Technologien investiert, etwa indem er Start-ups aufkaufte, die an künstlicher Intelligenz arbeiten. Ford will dabei sein, wenn die ersten selbstfahrenden Autos angeboten werden. Ford-Chef Fields will mit Kostensenkungen Einsparungen in Höhe von etwa 3 Milliarden Dollar in diesem Jahr erreichen. Die Kosten sind nämlich gestiegen – allein im ersten Quartal um 7 Prozent, vor allem wegen teurer Rohstoffe und weiteren Investitionen. Der Gewinn des Unternehmens fiel um mehr als 35 Prozent auf 1,59 Milliarden Dollar (1,45 Milliarden Euro). Ford hat bereits vor nachlassenden Verkäufen in den USA und in China gewarnt, den beiden größten Märkten der Welt. Aktienchart: Ford