Wirtschaft Fernzüge kommen immer besser an

Bahnchef Richard Lutz ist mit der deutlich verbesserten Pünktlichkeit im Fernverkehr noch nicht zufrieden und kündigte gestern i
Bahnchef Richard Lutz ist mit der deutlich verbesserten Pünktlichkeit im Fernverkehr noch nicht zufrieden und kündigte gestern in Berlin weitere Anstrengungen an, um die Zuverlässigkeit der Bahn zu verbessern.

«Berlin.» Bei der Deutschen Bahn (DB) haben sich im ersten Halbjahr Verkehrs- und Finanzdaten über Erwarten positiv entwickelt. Im Personenfernverkehr stieg die Verkehrsleistung auf einen Rekordwert. DB-Chef Richard Lutz korrigierte gestern die Umsatz- und Gewinnprognose für das Jahr 2017 nach oben.

Der DB-Fernverkehr steht noch stärker als früher im Blickpunkt der Öffentlichkeit, seit er in den Jahren 2014 und 2015 stark unter der Konkurrenz neuer Fernbuslinien zu leiden hatte, für die die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL wie eine großes PR-Aktion wirkten. Im ersten Halbjahr 2016 hatte der DB-Fernverkehr gegenüber den durch diese Effekte gedrückten Vorjahresdaten bei der in Personenkilometern gemessenen Verkehrsleistung um über 10 Prozent zugelegt. Im ersten Halbjahr 2017 stieg die Verkehrsleistung nun um weitere 3,3 Prozent auf den Rekordwert von 19,452 (Vorjahr: 18,835) Milliarden Personenkilometer. Die Anzahl der Reisenden in den Fernzügen stieg um 2,4 Prozent auf 68,3 Millionen. Anders als von der DB gestern behauptet, ist diese Zahl allerdings kein Rekordwert, weil es beispielsweise in den Jahren 1999 und 2000 schon einmal deutlich mehr Reisende in Fernzügen gab, bevor deren Anzahl wegen der Aufgabe vieler Interregio-Linien erheblich sank. Bei der Verkehrsleistung, in die nicht nur die Anzahl der Reisenden eingeht, sondern auch deren Reiseweite, übertrifft die DB die Werte der Jahre vor der Jahrtausendwende dagegen schon seit einiger Zeit, weil die Fernverkehrsreisenden nun im Schnitt deutlich größere Entfernungen zurücklegen als damals. Der Umsatz im Fernverkehr stieg noch stärker als die Verkehrsleistung um 5 Prozent auf 2,028 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) vervierfachte sich sogar auf 216 (Vorjahr: 54) Millionen Euro. DB-Chef Richard Lutz verwies darauf, dass der Anteil der pünktlichen Fernzüge mit 81 Prozent deutlich höher lag als im ersten Halbjahr 2016 mit 78,4 Prozent. Mit diesem Wert sei die DB aber noch nicht zufrieden. Es seien weitere Anstrengungen nötig, um noch besser und verlässlicher zu werden. Der Anteil der pünktlichen DB-Regionalverkehrszüge (ohne S-Bahnen) lag im ersten Halbjahr auf Vorjahresniveau bei 93,2 Prozent. Als pünktlich im Sinne dieser Statistik wertet die DB Züge, die maximal fünf Minuten Verspätung haben. Bei der Regionalverkehrssparte DB Regio stieg die Verkehrsleistung um 1,4 Prozent auf 24,101 Milliarden Personenkilometer. Das Ebit sank auf 314 (Vorjahr: 334) Millionen Euro. Die Schienengüterverkehrssparte DB Cargo schrieb operativ weiter rote Zahlen, auch wenn das Ebit mit minus 28 Millionen Euro immerhin besser war als im Vorjahr mit minus 53 Millionen Euro. Die Verkehrsleistung bei DB Cargo sank leicht um 0,2 Prozent auf 47,356 (Vorjahr: 47,830) Milliarden Tonnenkilometer. Lutz verwies darauf, dass DB Cargo immerhin in Deutschland das erste leichte Wachstum seit fünf Jahren verzeichne. Die Betriebsleistung auf dem DB-Netz stieg um 0,5 Prozent auf 534,2 (Vorjahr: 531,4) Millionen Trassenkilometer, davon entfielen 30,8 (Vorjahr: 29,8) Prozent auf DB-externe Eisenbahnunternehmen. Die Anzahl der Stationshalte bei der Bahnhofssparte Station & Service nahm um 0,7 Prozent auf 74,8 Millionen zu. Der Umsatz des DB-Konzerns stieg im ersten Halbjahr um 5,2 Prozent auf rund 21,07 Milliarden Euro, das bereinigte Ebit um 17,1 Prozent auf 1,179 Milliarden Euro. Einen erheblichen Anteil an dieser positiven Entwicklung hatte die Logistiksparte DB Schenker, die ihren Umsatz um 9,1 Prozent auf 8,072 Milliarden Euro und das bereinigte Ebit um 4 Prozent auf 208 Millionen Euro steigerte. Lutz korrigierte die Umsatzprognose des DB-Konzerns für 2017 von über 41,5 Milliarden Euro auf über 42,5 Milliarden Euro nach oben. Beim bereinigten Ebit rechnet er nun mit mindestens 2,2 Milliarden (bisher: mindestens 2,1 Milliarden) Euro.

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