Wirtschaft „Europhorie“ erlahmt

Nach monatelangem Höhenflug hat der Eurokurs im September einen Dämpfer bekommen. Im Laufe des Monats rutschte die Gemeinschaftswährung von 1,20 auf 1,18 Dollar ab. Der „Europhorie“ gehe allmählich die Luft aus, kommentiert die hessisch-thüringische Landesbank Helaba. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Steuersenkungen lassen einige Anleger auf einen neuen Boom in den Vereinigten Staaten hoffen. Gleichzeitig schmälert das Ergebnis der Bundestagswahl die Chancen auf schnelle Fortschritte bei Reformen im Euro-Raum. Zusätzlich hat das Unabhängigkeitsreferendum in der spanischen Region Katalonien gezeigt, dass es in der Währungsunion noch immer gefährliche Spannungen gibt – handelt es sich doch um die wirtschaftsstärkste Region des in der Euro-Krise schwer gebeutelten Landes. Ausdruck einer neuen Vertrauenskrise ist der leichte Rückgang des Euro-Kurses aber nicht. Vielmehr handele es sich um eine überfällige Korrektur, meint Helaba-Experte Christian Apelt. Denn die Aufwertung der vergangenen Monate sei „überzogen“ gewesen, gerade mit Blick auf die in den USA höheren Zinsen. Für die exportorientierten deutschen Unternehmen wäre ein Ende der Euro-Aufwertung jedenfalls von Vorteil. Auch deshalb legte der deutsche Aktienindex Dax in der vergangenen Woche 1,9 Prozent zu und kletterte auf 12.829 Zähler. Auch für die laufende Woche sind Analysten zuversichtlich gestimmt. Große Ereignisse stehen nicht an; am Freitag werden aber Zahlen zur Auftragslage der deutschen Industrie im August veröffentlicht. Nach einem schwachen Juli erwarten Ökonomen mehrheitlich eine Erholung. Daneben gibt es am Freitag neue Zahlen zur Entwicklung des US-Arbeitsmarkts. Obendrein läuft diese Woche an der Wall Street die Bilanzsaison an: Am Mittwoch öffnen der Getränkehersteller Pepsi und der Saatgut-Anbieter Monsanto ihre Bücher. Für Monsanto ist es einer der letzten Quartalsberichte vor der Übernahme durch Bayer.