Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Driften China und der Westen auseinander?

Jahrelang wuchs der Handel mit China stark. Nun gibt es aber gegenläufige Tendenzen.
Jahrelang wuchs der Handel mit China stark. Nun gibt es aber gegenläufige Tendenzen.

Nach Jahren zunehmender Globalisierung befinden sich der Westen und China in einer Phase der Entkopplung. Andere Länder werden sich womöglich auf eine der zwei Seiten schlagen müssen, befindet ein neuer Report.

Aufseiten der westlichen Staaten bettet sich der Kapitalismus in ein liberales System aus freien Wahlen und freier Presse ein – demgegenüber hat sich die chinesische Spielart entwickelt, in der kapitalistisches Wirtschaften in einem Ein-Parteien-System ohne diverse Freiheiten funktioniert.

Die größten Wirtschaftsräume der Welt befinden sich seit Jahren in einem Entkopplungsprozess: Zuletzt hagelte es Strafzölle der USA gegen China, dann Strafzölle Chinas gegen Australien und weitere Sanktionen zwischen Ost und West.

Am Donnerstag veröffentlichte das in Berlin ansässige Mercator Institute für China Studies (Merics) einen Report mit dem Titel: „Decoupling – Getrennte Wege und Patchwork-Globalisierung.“ In Zusammenarbeit mit der EU-Handelskammer in China zeichnet das Papier kein sonderlich optimistisches Bild. Durch „Decoupling“, auf Deutsch: Entkopplung, stehe „die Zukunft der Globalisierung nun am Rande eines Abgrunds.“ So werde der durch den scheidenden US-Präsidenten Donald Trump ausgelöste Handelskrieg zwischen China und den USA auch mit der Amtsübernahme durch Joe Biden nicht völlig befriedet. Schließlich ist in den USA parteiübergreifender Konsens, dass China nicht nur ein Handelspartner, sondern auch ein Systemrivale ist.

China arbeitet an ökonomischer Autarkie

Zudem arbeitet Chinas Regierung seit 15 Jahren daran, ökonomisch möglichst autark gegenüber dem Westen zu werden. Mit der „China Manufacturing 2025“-Initiative fördert der öffentliche Sektor die inländische Produktion in zehn Schlüsseltechnologien.

Seit Jahren haben chinesische Hersteller auch davon profitiert, dass ausländische Unternehmen Teile ihrer Technologie preisgeben mussten, wenn sie Zugang zum riesigen chinesischen Markt erhalten wollten. Dies sollte mit dem Investitionsabkommen, auf das die EU und China sich kurz vor Jahreswechsel geeinigt haben, zwar bald der Vergangenheit angehören. Für europäische Firmen soll es künftig einfacher werden, in China aktiv zu werden, ohne gleichzeitig ihr geistiges Eigentum preisgeben zu müssen. Umgekehrt sollen chinesische Investoren auch mehr Rechtssicherheit im EU-Raum erhalten. Mit Unterschriften für das Abkommen wird aber erst in etwa einem Jahr gerechnet.

Große Herausforderungen bleiben ohnehin bestehen. Denn die Konflikte zwischen den führenden Wirtschaftsräumen – nicht zuletzt in Sachen Technologiestandards und Datenaustausch – werden dadurch nicht grundsätzlich gemindert. Viele in China tätige Betriebe befürchten, so der Report, „dass eine Fortsetzung dieses gefährlichen Weges hin zu einem völligen Bruch der wirtschaftlichen und technologischen Beziehungen zwischen den USA und China das Ende ihrer China-Geschäfte einläutet.“ Europäische Betriebe sollten sich für die kommenden Jahre auf „das Schlimmste vorbereiten.“ Entkopplung sei sowohl in Sachen Innovation zu beobachten – weil sich ausländische Betriebe in China häufig ausgeschlossen fühlen – als auch im Handel: Zahlreiche große Unternehmen haben China als Produktionsstandort verlassen, um eine „Überabhängigkeit“ in ihren Wertschöpfungsketten zu beenden. Dabei könnten solche Verschiebungen schließlich zu steigenden Preisen für Verbraucher führen.

Heikel wäre es, Chinas Zugang zum Dollar zu beschränken

Sollten sich die Konflikte auch politisch weiter hochschaukeln, befürchtet Merics sogar eine internationale Wirtschaftskrise. Diese stünde dann ins Haus, wenn die USA gegenüber China den Zugang zum neuen US-Dollar, zum typischsten internationalen Zahlungsmittel, beschränken würde. Auch ohne diesen „Worst Case“ zeichnet sich das ab, was der in Hongkong ansässige schwedische Journalist Johan Nylander in seinem kürzlich erschienen Buch als „The Epic Split“ bezeichnet hat. Einiges spricht für diese These von Johan Nylander, nach der die Koexistenz zwischen Liberalismus und Autoritarismus nicht endlos möglich ist, sondern unweigerlich zu irgendeiner Art von Crash führt. Einen besonders schwierigen Balanceakt leisten bisher solche liberalen Staaten, deren Volkswirtschaften besonders vom Handel mit China abhängig sind. Dazu gehören Südkorea, Japan und Deutschland.

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