Wirtschaft
Die Welt vor Google auf Google
Time Lapse kennen viele Nutzer von Google Earth bereits. Damit lassen sich Satellitenaufnahmen von ausgewählten Gebieten aus den letzten Jahrzehnten wie bei einer Zeitreise virtuell durchblättern. Siedlungswachstum oder Gletscherrückgang seit den 1980er-Jahren lassen sich so sehr anschaulich nachvollziehen. Nun hat Google auch historisches Kartenmaterial aus Zeiten weit vor Satellitenbeobachtung und Internet in seine Welt-Bildersammlung übernommen. Die Karten werden bei der Darstellung im Browser so angepasst, dass sie sich scheinbar über die passenden Satellitenbilder legen.
Über 100 historische Karten aus der Zeit zwischen 1680 und 1930 sind derzeit eingebaut, dazu einige Weltkarten. Die Funktion ist aber gut hinter einer sehr langen URL versteckt. Leicht zu finden ist sie aber mit einer Google-Suche nach „Google Earth historische Karten“ und einem Klick auf den Link der Fundstelle. Man erreicht einen Bereich, der mit „experimentelle Version“ markiert ist. Es funktioniert aber bereits alles einwandfrei. Über ein Auswahlmenü mit Thumbnails der Karten lassen sich Darstellungen Europas von 1787 oder von Tokio aus dem Jahr 1680 aufrufen und erforschen. Besonders faszinierend sind einige der ersten Weltkarten aus dem 16. Jahrhundert, die um einen dreidimensionalen Globus gelegt sind. Der kann wie üblich bei Google Earth gedreht und herangezoomt werden. Die Detailauflösung ist natürlich durch die Darstellung der Originalkarte begrenzt.
Sammlungsprojekt mit über 150.000 Karten
Das Kartenmaterial hat Google von David Rumsey bekommen. Der sammelt alte Karten seit über 40 Jahren und ist derzeit Präsident von „Cartography Associates“. Das Sammlungsprojekt mit über 150.000 Karten ist an der amerikanischen Stanford University beheimatet, wo nach und nach eine komplette digitale Bibliothek entstehen soll. Auf der offiziellen Website von David Rumsey (davidrumsey.com) sind die bisher digitalisierten Karten zu besichtigen. Der Fundus aus Karten, Grafiken und kartographischen Buchfaksimiles umfasst bereits etwa 120.000 digitalisierte Objekte. Einige der Welt- und Sternkarten sind auch als dreidimensionale Globen zu bewundern. Das älteste Stück ist hier der berühmte Erdapfel von Behaim, der zwischen 1492 und 1493 entstanden ist. Es ist eines der letzten kartographischen Werke, auf denen unsere Erde noch ohne den damals frisch entdeckten amerikanischen Kontinent auskommen musste.
Wer für solche Entdeckungsreisen in die Vergangenheit empfänglich ist, sollte sich vor allem bei dieser Web-Sammlung alter Karten Zeit nehmen. Und von Google hoffen wir, dass nach und nach noch mehr Material des US-Sammlers in die Earth-Darstellungen eingebaut wird.