Wirtschaft DB und SNCF setzen auf bessere Kooperation
«Paris.» Auf den Hochgeschwindigkeitsbahnlinien von Frankfurt und Stuttgart nach Paris wurde in den Monaten Januar bis April ein Rekordwert bei den Fahrgastzahlen erzielt. Ihre erfolgreiche Kooperation wollen die Deutsche Bahn (DB) die französische Staatsbahn SNCF auch nach 2020 fortsetzen. Außerdem will die DB künftig auch wieder Tickets für die Thalys-Züge von Köln über Brüssel nach Paris verkaufen.
Beim Thalys gibt es seit Jahren die für Bahnkunden schwer begreifliche Situation, dass man beim Mobilitätsdienstleister DB zwar Carsharing-Autos und Fahrräder buchen kann, aber beispielsweise am Bonner Hauptbahnhof kein Bahn-Ticket von Bonn nach Paris bekommt. Hier zeichnet sich nun voraussichtlich für kommendes Jahr eine für Bahnkunden vorteilhafte Lösung ab. In einem Gespräch mit der RHEINPFALZ in Paris waren DB-Fernverkehrschefin Birgit Bohle und ihre SNCF-Kollegin Rachel Picard zwar bestrebt, den noch laufenden Verhandlungen über den zukünftigen Vertrieb von Thalys-Tickets durch die DB nicht vorzugreifen. Die beiden Managerinnen ließen aber deutlich erkennen, dass sie auf eine Fortsetzung und weitere Verbesserung der Kooperation setzen. Bohle sagte, die DB würde gerne wieder Thalys-Tickets verkaufen und sie sei zuversichtlich, dass dies im Laufe des Jahres 2018 klappe. Picard betonte, dass sie einen Verkauf von Thalys-Tickets durch die DB sehr begrüßen würde. Picard sagte, sie sei „sehr sehr zufrieden“ mit der Kooperation bei der gemeinsamen SNCF/DB-Tochter Alleo, die für den deutsch-französischen Hochgeschwindigkeitsverkehr über die 2007 in Betrieb genommene Ost-Schnellbahn (LGV Est) gegründet wurde. Die zuletzt 2015 verlängerten Verträge laufen noch bis 2020. Bohle sprach von einem „Paradebeispiel für Erfolg bei guter Zusammenarbeit“. Beide Fernverkehrschefinnen betonten ihr Interesse an der Fortsetzung der erfolgreichen Kooperation. Picard sagte, darüber gebe es auch innerhalb der SNCF einen sehr breiten Konsens. In den zehn Jahren seit 2007 sind mit den Alleo-Zügen im internationalen Verkehr rund 16 Millionen Reisende gefahren. Nachdem es im vergangenen Jahr wegen der Terroranschläge in Paris im November 2015 zu einem Einbruch bei den Fahrgastzahlen gekommen war, gibt es in diesem Jahr wieder deutliche Zuwächse. In den Monaten Januar bis April stiegen die Fahrgastzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 22 Prozent auf 599.000. Enthalten ist in diesem Wert neben den elf Zugpaaren von Paris nach Frankfurt und Stuttgart auch das TGV-Paar zwischen Frankfurt und Marseille. Die gestiegenen Fahrgastzahlen erklären sich wohl auch durch das verbesserte Zugangebot, das mit Inbetriebnahme des zweiten Abschnitts der Ost-Schnellbahn zwischen Baudrecourt in Lothringen und Vendenheim bei Straßburg um je ein Zugpaar von Frankfurt und Stuttgart nach Paris aufgestockt wurde. Dabei hat allerdings der Nordast über Kaiserslautern und Saarbrücken ein Zugpaar an den nun schnelleren Südast über Straßburg verloren. Bohle stellte klar, dass bei künftigen Veränderungen des Angebots „bestimmt nicht weniger“ Züge über Kaiserslautern und Saarbrücken nach Paris fahren. Während vor zehn Jahren anfangs auf dem Nordast ausschließlich ICE und auf dem Südast ausnahmslos TGV fuhren, werden nun beide Zugtypen auf beiden Strecken eingesetzt. Picard sagte, im internationalen Verkehr werde die SNCF an ihrer Marke TGV festhalten. Im innerfranzösischen Verkehr sollen heutige TGV nach und nach unter dem Label „inOui“ fahren. Leitartikel