Russland Das Vermögen der Oligarchen ist schwer zu greifen

Die russische Feudal-Jacht „Valerie“ im März im Hafen von Barcelona.
Die russische Feudal-Jacht »Valerie« im März im Hafen von Barcelona.

Superjachten waren bei russischen Milliardären lange die beliebteste Art, ihren Reichtum zur Schau zu stellen. Nicht jeder konnte sich schließlich einen Spitzen-Fußballverein kaufen, wie es Roman Abramowitsch mit Chelsea gemacht hatte.Bei den schwimmenden Statussymbolen, oft in deutschen Werften gebaut, konnten sich die Superreichen in Größe, Luxus und Protz messen. Da hat ein Boot sechs Decks und einen Pool? Nichts, was man nicht mit acht Decks, zwei Hubschrauberlandeplätzen statt einem oder der Ästhetik eines Panzerkreuzers toppen könnte.

Doch mit den westlichen Sanktionen gegen die russische Elite nach Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine wurden die zum Teil Hunderte Millionen Euro teuren Schiffe ein augenscheinlich leichtes Ziel. Denn sie liegen oft in Häfen oder sind zur Wartung in Werften. Und so wurden unter anderem in Spanien und Italien schnell mehrere Luxusjachten festgesetzt, andere Crews traten die Flucht in Häfen unter anderem in der Türkei an, wo ihre Besitzer sie zunächst vor Sanktionen sicher wähnen. Doch selbst auf Fidschi beschlagnahmten US-Behörden nach einem juristischen Tauziehen die zuvor in Mexiko gesehene 150 Meter lange „Amadea“, die dem Gold-Milliardär Suleiman Kerimow zugeordnet wird.

Fast immer geheim

„Zugeordnet“ ist hier allerdings ein Schlüsselwort, denn die Besitzverhältnisse bei russischem Milliardärsvermögen sind so gut wie nie offenkundig. So ist als Eigentümer der über 300 Millionen Euro teuren „Amadea“ die Firma Millemarin Investment Ltd. eingetragen und es gibt unterschiedliche Angaben dazu, wer sich dahinter verbirgt. So sagen Millemarin-Anwälte, das Schiff gehöre dem russischen Milliardär Eduard Chudainatow, der nicht von Sanktionen betroffen sei.

Beispiel Tui: Hauptaktionär des deutschen Reiseriesen war lange der russische Stahlmagnat Alexej Mordaschow. Die EU nahm den als kremltreu geltenden Milliardär Ende Februar auf ihre Sanktionsliste. Doch da hatte er sich bereits aus dem Kreis der Tui-Eigentümer zurückgezogen. Ein Anteil von rund 30 Prozent wird jetzt von einer Beteiligungsfirma mit dem Namen Ondero verwaltet, mit einer Marina Mordaschowa als „kontrollierende Gesellschafterin“. Es ist die Ehefrau des Ex-Großeigners. Er selbst bezeichnete die Sanktionen gegen ihn als unverständlich.

Eine Straftat?

In der Europäischen Union wurde nach Zahlen von Ende Mai seit Kriegsbeginn am 24. Februar Vermögen russischer Oligarchen im Wert von knapp 10 Milliarden Euro eingefroren. Die EU-Kommission schlug zudem vor, das Umgehen von Sanktionen EU-weit als Straftat zu definieren. Damit könnten russische Oligarchen leichter enteignet werden, wenn sie EU-Sanktionen unterlaufen.

Die Anfänge ihres Reichtums gehen meist auf die 1990er-Jahre zurück. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die zuvor staatseigenen Betriebe privatisiert. Zum Konzept der Reformer gehörten Wert-Schecks, die an Bürger verteilt wurden und bei Privatisierungs-Auktionen eingesetzt werden konnten. Doch aus der Idee eines „Volks von Eigentümern“ wurde nichts, unter anderem weil findige Geschäftsleute in großem Stil Wertschecks zusammenkauften. Nach einer zum Teil von viel Gewalt begleiteten Umverteilung landete die Kontrolle über Großbetriebe lukrativer russischer Industrien bei einer Handvoll Unternehmer. So wurden sie auch Oligarchen genannt, von Oligarchie, dem altgriechischen Begriff für die Herrschaft weniger.

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