Kommentar
Corona: Hoffnung auf Heilmittel
Mögen wir uns dieses Virus vom Leib schaffen – so schnell wie möglich. Das ist die große Hoffnung. Denn wir zahlen einen sehr hohen Preis im Kampf gegen die Pandemie. Sie wird noch vielen das Leben nehmen. Wir werden weitere bange Wochen verbringen und harte Einschnitte in unser Leben aushalten müssen. Der Absturz unserer Konjunktur wird tief sein, und viele wird es die wirtschaftliche Existenz kosten. Dennoch: Die große Hoffnung trügt nicht. Dafür gibt es gute Gründe. Da sind zum einen die strikten Auflagen, die von den allermeisten diszipliniert umgesetzt werden. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht in den kommenden zwei Wochen sehen, dass die Maßnahmen gegen das Virus ihre Wirkung zeigen.
Da sind zum anderen auch die massiven Anstrengungen in der Pharmaindustrie, um Sars-CoV-2 mit Impfstoffen und Medikamenten Einhalt zu gebieten. Die ersten Erfolge sind da. Binnen Monaten hat beispielsweise der Schweizer Konzern Roche, zu dem ein Standort im Mannheim mit 8370 Mitarbeitern gehört, ein Nachweisverfahren für das Virus im Großmaßstab vorgelegt. In Südkorea haben Massentests wesentlichen Anteil an der erfolgreichen Bekämpfung der dortigen Epidemie.
Beschleunigte Suche nach Medikamenten
Was nun als nächstes zu erwarten ist, das sind Medikamente, die bei der Behandlung der Corona-Krankheit Covid-19 helfen. Die gibt es bisher nicht. Die Entwicklung eines neuen Medikamentes vom Reagenzglas bis zur Zulassung dauert in der Regel mehr als zehn Jahre. Das ist viel zu lang. Aber Mediziner und Pharmaunternehmen gehen einen anderen Weg. Sie testen vielversprechende Medikamente, die bereits für andere Anwendungen zugelassen sind oder sich in der fortgeschrittenen Entwicklung befinden.
Geprüft werden antivirale Mittel, die die Vermehrung oder das Eindringen der Viren blockieren, Mittel die ursprünglich gegen HIV, Ebola, Hepatitis C, Grippe oder Sars und Mers, zwei weitere Coronavirus-Krankheiten, entwickelt wurden. Die zweite Medikamentengruppe im Test sind Immunmodulatoren wie etwa Mittel gegen Arthritis oder entzündliche Darmerkrankungen. Sie sollen bei schweren Verläufen von Covid-19 verhindern, dass die ansonsten erwünschte Abwehrreaktion des Körpers überschießt und mehr Schaden anrichtet als das Virus selbst. Auch alte Malaria-Medikamente werden untersucht, deren antivirale Wirkung erst vor Kurzem entdeckt wurde. Die Studien untersuchen, ob die Medikamente überhaupt eine ausreichende Wirkung zeigen und ob sie den Patienten nicht mehr schaden als nützen. Ziel ist, ein Mittel zu finden, das zumindest Covid-19-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf besser über die kritische Phase der Infektion hilft und damit Leben rettet.
Massenimpfungen wohl nicht in diesem Jahr
Ein Durchbruch wäre die Entwicklung eines ausreichend wirksamen Impfstoffs. Damit könnte die jetzt viel diskutierte Herdenimmunität hergestellt werden, ohne dass viele krank wird. Allerdings geht das nur dann schnell, wenn die Impfung für die Massenanwendung verfügbar ist. Sehr wahrscheinlich wird die Entwicklung eines geeigneten Impfstoffes gelingen. Wenn aber Unternehmen wie die Mainzer Biotech-Firma Biontec oder der Tübinger Konkurrent Curevac, an dem der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp die Mehrheit hält, den Eindruck erwecken, ein Impfstoff könnte schon im Herbst verfügbar sein, dann ist Skepsis angebracht. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller stellt zwar fest, dass die Entwicklung eines Impfstoffes mit nie gekannter Schnelligkeit voranschreitet, hält es aber für unwahrscheinlich, dass er noch in diesem Jahr für Massenimpfungen verfügbar wird.
Forschung braucht Zeit, deshalb müssen wir uns in Geduld üben. In schweren Krisenzeiten wie diesen mögen die medizinischen Fortschritte im Kampf gegen das Coronavirus quälend langsam erscheinen. Aber sie werden kommen. Und zwar in einer Geschwindigkeit, die in normalen Zeiten atemberaubend genannt würde.