Industrie Chemie-Arbeitgeber: Tausende weitere IT-Kräfte nötig

Die Chemieindustrie steckt in einem umfassenden Wandel. Unser Bild zeigt Anlagen der BASF in Ludwigshafen.
Die Chemieindustrie steckt in einem umfassenden Wandel. Unser Bild zeigt Anlagen der BASF in Ludwigshafen.

In der chemischen Industrie werden in den kommenden Jahren kaufmännische und Labor-Berufe weniger nachgefragt werden.

Verstärkt gesucht werden hingegen Fachkräfte in den Bereichen IT und Nachhaltigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) am Freitag präsentierte. Demnach werden in der Chemie bis 2030 alleine im IT-Bereich bis zu 9000 zusätzliche Fachkräfte benötigt. Der BAVC und die an der Studie beteiligte Boston Consulting Group warnen zugleich, der Mangel an Fachkräften könne zu einem langfristigen Bedeutungsverlust der Chemieindustrie in Deutschland führen. Der Umbau der Branche („Transformation“) erfordere hochspezialisierte Anforderungsprofile, die in der Chemie bisher nicht oder nur wenig vertreten seien.

Unter dem Titel „Chemie-Arbeitswelten 2030“ untersucht die Studie in drei Szenarien die Folgen der Transformation für die Branche. Demnach könnten bis 2030 in der Chemie 25.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, wenn Politik und Unternehmen für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen. Das wäre ein Beschäftigungsplus von 6 Prozent. Im schlechtesten Fall – wenn der Umbau nicht gelingt – könnten bis zum Ende des Jahrzehnts über 60.000 Vollzeitstellen wegfallen.

Chemie-Arbeitgeber für längere Lebensarbeitszeit

Aus Sicht des BAVC sind Politik und Unternehmen gleichermaßen gefordert, die Weichen für eine erfolgreiche Transformation zu stellen. Eine Aufgabe der Politik sei es dabei, für wettbewerbsfähige Energie- und Rohstoffkosten sowie eine gute Infrastruktur zu sorgen. Wichtig ist nach Ansicht der Chemie-Arbeitgeber auch „ein modernes Arbeitszeitrecht“. Außerdem brauche die Bundesrepublik „mehr qualifizierte Zuwanderung“, die sich konsequent an den Erfordernissen des Arbeitsmarkts orientiere. Darüber hinaus brauche es bessere Betreuungsmöglichkeiten und eine „Verlängerung der Lebensarbeitszeit“. Solche Forderungen, beispielsweise nach einer „Rente mit 70“, stoßen vor allem in den Gewerkschaften, aber auch in Teilen der Politik auf Widerstand.

Unternehmen sollen flexible Arbeitsmodelle anbieten

An die Unternehmen appelliert der BAVC, für flexible Arbeitsmodelle zu sorgen. Diese seien insbesondere in der Produktion vonnöten. Außerdem müsse die Branche noch mehr in die Ausbildung investieren und ihr Engagement in Sachen Weiterbildung „deutlich“ steigern. Generell müsse die Branche attraktiver und „viel erfolgreicher im Wettbewerb um Talente“ werden.

„Die Weichen für Erfolg oder Misserfolg werden bis 2025 gestellt“, unterstrich BAVC-Präsident Kai Beckmann, der betonte: „Wir haben keine Zeit zu verlieren“.

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