Finanzen RHEINPFALZ Plus Artikel Bitcoin: Die geheimnisvolle Währung

imago0107570155h

Die Krypto-Währung Bitcoin wird von ihren Anhängern als digitales Gold bezeichnet. Doch anders als das Edelmetall könnte sie durch künftige Finanz-Innovationen wertlos werden.

Als Alchemisten bezeichnete man in früheren Jahrhunderten Gelehrte, die nach Wegen zur künstlichen Herstellung von Gold suchten. Glaubt man einigen Finanzmarktexperten, so wurde dieser alte Menschheitstraum mittlerweile verwirklicht: Die von einem Unbekannten entwickelte Krypto-Währung Bitcoin sei „digitales Gold“, sagte der US-Milliardär Mike Novogratz im Dezember. Analysten der US-Bank JP Morgan betrachten die virtuellen Münzen zumindest als ernsthafte Konkurrenz für das Edelmetall. Ein einziger Bitcoin kostet derzeit rund 40.000 Dollar (33.000 Euro).

Das bedeutet: Wer vor rund zehn Jahren ein paar Dollar in die neue Krypto-Währung investiert hat, ist heute Multimillionär. Auf Online-Handelsplattformen zahlen Anleger fünfstellige Beträge für einen Schnipsel Computercode. Denn ein Bitcoin ist letztlich nur „ein Eintrag in ein Register“, erläutert Guido Zimmermann, Digitalexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg. Ein ganz besonderes Register allerdings: Es ist über Tausende Computer weltweit verteilt und zeigt sich seit seiner Entstehung 2009 resistent gegen Manipulationen.

Computercode, der als Bitcoin anerkannt wird, kann nur in diesem Netzwerk erzeugt werden – und das auch nicht beliebig oft: Das System ist so ausgelegt, dass maximal 21 Millionen Bitcoins entstehen können. Derzeit sind es 18,6 Millionen. In einer Zeit, da die Notenbanken die Märkte mit billigem Geld schwemmen, erhofft sich eine wachsende Zahl von Investoren vom knappen Gut Bitcoin Schutz vor Inflation.

Wer sein Passwort vergisst, kann ein Vermögen verlieren

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin warnt indes, dass Investitionen in Bitcoin und andere Krypto-Währungen wegen der enormen Kursschwankungen mit hohen Risiken verbunden sind. Anleger sollten sich von den hohen Kursen nicht „blenden lassen“, mahnte die Behörde am Mittwoch: „Ein Totalverlust ist möglich.“ Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, forderte mit Blick auf kriminelle Geschäfte mit Bitcoin eine Regulierung der Krypto-Währung.

Gleichzeitig machte eine Meldung aus den USA die Runde, wonach ein aus Deutschland stammender Programmierer um sein Bitcoin-Vermögen fürchtet – weil er das Passwort zu seiner digitalen Geldbörse (Wallet) verloren hat. Während bei einem normalen Konto immer noch die Bankmitarbeiter weiterhelfen können, hat auf ein Bitcoin-Wallet einzig und allein der Besitzer Zugriff.

Haben die Schöpfer von Bitcoin also doch nicht den Stein der Weisen gefunden? Ist ihnen vielleicht nur der Trick geglückt, aus Unrat Gold zu machen, wie es etwas derber in einer alten Redensart zum Ausdruck kommt?

Tatsächlich ist der kometenhafte Anstieg des Bitcoin-Preises nicht leicht zu erklären. Die ersten Bitcoins, die 2009 den Besitzer wechselten, waren noch gar nichts wert. Ein Jahr später wurde die erste Handelsplattform eröffnet, auf der Bitcoins im Tausch gegen echtes Geld erworben werden konnten – zunächst für weniger als ein Cent. Nach einem weiteren Jahr war die Parität zum US-Dollar erreicht.

Banken sollen überflüssig werden

Der Bitcoin hatte damals nur eine kleine Fan-Gemeinde, deren Interesse an Technik sich mit der Hoffnung auf ein neues Geldsystem verband. Denn die Grundidee, die Ende 2008 über einen Mail-Verteiler an eine lose Gruppe von Software-Entwicklern und Intellektuellen verschickt wurde, war der Aufbau eines Zahlungsnetzwerks, das ohne Banken funktioniert: Ziel sei, dass „Online-Zahlungen direkt von einer Partei zur nächsten geschickt werden können, ohne über ein Finanzinstitut gehen zu müssen“, heißt es in dem Konzeptpapier, das unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlicht wurde.

Wer sich hinter dem Namen verbirgt, ist bis heute unklar. Die Person oder Gruppe veröffentlichte aber eine E-Mail-Adresse, über die sie mit verschiedenen Software-Entwicklern kommunizierte. Einer von ihnen, Hal Finney, berichtete später, dass er im Januar 2009 Bitcoins von Satoshi erhalten habe – dies gilt als erste Transaktion mit den virtuellen Münzen.

Sicher ist, dass die Idee Wirklichkeit wurde. Wer im Internet eine mit der entsprechenden Software ausgestattete elektronische Geldbörse herunterlädt, eben ein Bitcoin Wallet, kann damit Zahlungen in Auftrag geben oder empfangen, ganz ohne Bank. Allerdings kann es Stunden dauern, bis eine Transaktion bestätigt wird.

Anonymität lockt Kriminelle

Die Anhänger der Krypto-Währung preisen die Anonymität von Bitcoin-Zahlungen. Sender und Empfänger verbergen sich hinter Adressen, die nur aus einer zufälligen Aneinanderreihung von Zahlen und Buchstaben bestehen. Da für jede Transaktion eine neue Adresse generiert werden kann, bleibt die Identität der Geschäftspartner geheim – anders als bei anderen elektronischen Zahlungen.

Die Anonymität machen sich auch Kriminelle zunutze. Nach der Schließung eines illegalen Online-Marktplatzes Anfang dieser Woche teilte die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz mit, über die Plattform namens DarkMarket seien 4650 Bitcoins und andere Krypto-Währungen bewegt worden. Es seien vor allem Drogen gehandelt worden – kein Wunder, dass die Käufer das Geld dafür nicht von einem Bankkonto aus überweisen wollten.

Im normalen Alltag wiederum ist der Nutzen von Bitcoins begrenzt. Laut der Website coinmap.org gibt es weltweit weniger als 20.000 Geschäfte, Restaurants und sonstige Dienstleister, die die Krypto-Währung akzeptieren. Das liegt nicht zuletzt an den extremen Kursschwankungen. Für Unternehmen, die zur Deckung ihrer laufenden Ausgaben zuverlässige Einnahmen brauchen, sind derartige Wechselkursrisiken kaum tragbar.

Anleger müssen mit Verlusten rechnen

Als Geldanlage aber locken Bitcoins mittlerweile auch Großinvestoren an. Zwar hat es in der jungen Geschichte der Krypto-Währung immer wieder enorme Kurssprünge gegeben: 2017 stieg der Bitcoin-Preis von rund 1000 auf fast 20.000 Dollar, um dann binnen zwölf Monaten wieder auf 3500 Dollar abzurutschen. Doch der aktuelle Höhenflug scheint von einer breiteren Masse getragen zu werden, zu der auch Unternehmen gehören.

So gab der amerikanische Software-Hersteller MicroStrategy im Dezember bekannt, mehr als eine Milliarde Dollar in Bitcoin investiert zu haben. Der auf Bitcoin und andere Krypto-Währungen spezialisierte Vermögensverwalter Grayscale Investments sammelte 2020 über 5,7 Milliarden Dollar an Kundengeldern ein, überwiegend von institutionellen Investoren.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Kleinanleger ihnen nacheifern sollten. Wer in Bitcoin investiere, müsse Verluste verkraften können, warnt LBBW-Analyst Zimmermann. Anleger sollten deshalb „allenfalls einen kleinen Prozentsatz ihres Geldes in Krypto-Währungen stecken“. Wie lange der Aufwärtstrend bei den Kursen anhalte, darüber könne man nur spekulieren. Nach Zimmermanns Ansicht ist beim Bitcoin-Preis „zwischen 0 und 100.000 Euro alles denkbar“.

Innovationen könnten Bitcoin ablösen

Ein erhebliches Risiko für den Bitcoin sieht der LBBW-Experte darin, dass China mit einer staatlichen Digitalwährung experimentiert. In der Volksrepublik befinden sich viele der großen Rechenzentren, die für den Betrieb des Bitcoin-Netzwerks notwendig sind. Ob sich das mit den staatlichen Plänen für einen digitalen Yuan verträgt, ist fraglich.

Zudem konkurriert Bitcoin mit zahlreichen anderen Krypto-Währungen, die – da neuer – für technische Anwendungen wie Maschine-zu-Maschine-Zahlungen zum Teil vielversprechender erscheinen. Gleichwohl bleiben die Kurse der jüngeren Krypto-Währungen bislang weit hinter dem Original zurück.

Aber wer weiß, was noch kommt. So etwas wie den Bitcoin hätte sich bis auf eine kleine Gruppe von Computer-Genies vor 2008 schließlich auch niemand vorstellen können. Irgendwann könnte es also wieder eine Innovation geben, die als digitaler Geldspeicher noch viel attraktiver ist – und den Bitcoin-Kurs ins Bodenlose stürzen lässt.

Krypto-Geld: So funktioniert’s

Blockchain: Jede Transaktion wird in einer gemeinsamen, dezentralen Datenbank gespeichert. In ihr ist hinterlegt, wer zu welchem Zeitpunkt wie viele Bitcoins empfangen oder ausgegeben hat.

Bei jeder neuen Zahlung wird von den Computern anderer Netzwerkteilnehmer überprüft, ob der Sender auch tatsächlich über den angewiesenen Betrag verfügt. Gültige Transaktionen werden, gebündelt in Blocks, in die gemeinsame Datenbank aufgenommen – die sogenannte Blockchain.

Mining: Die Netzwerkteilnehmer, die unter Einsatz spezieller Hardware und einer großen Menge an Strom die bestätigten Zahlungen zu Blocks zusammenfassen, werden dafür mit neuen Bitcoins belohnt. In Anlehnung an den Abbau von Gold wird dieser Prozess als das „Schürfen“ von Bitcoins bezeichnet, wobei meist der englische Begriff Mining verwendet wird. Aktuell erhalten Miner für jeden neuen Block 6,25 Bitcoins. Die Belohnung wird aber etwa alle vier Jahre halbiert. Deshalb können nicht mehr als 21 Millionen Bitcoins geschürft werden. Wenn diese Zahl erreicht ist, werden die Miner für ihren Aufwand nur noch Transaktionsgebühren erhalten.

x