Leute RHEINPFALZ Plus Artikel Bernard Arnauld: Steinreich und skrupellos

Luxus ist Bernard Arnaults Kerngeschäft: Der französische Milliardär steht dem Konzern LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) vor.
Luxus ist Bernard Arnaults Kerngeschäft: Der französische Milliardär steht dem Konzern LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) vor.

Ist Bernard Arnault ein unternehmerisches Raubtier oder ein kluger Visionär? Vielleicht hat er von beidem etwas, denn der Chef des französischen Luxusgüter-Konzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) ist nun der reichste Mann der Welt.

Bernard Arnault mag es nicht, wenn allzu viele Menschen allzu viel über ihn wissen. Höchst selten gibt der diskrete Unternehmer den französischen Medien Interviews, und das gilt auch für jene Zeitungen und Sender, die ihm selbst gehören. Im Herbst verkaufte er seinen Privatjet, da ein Umweltaktivist in den sozialen Netzwerken über das Konto „Laviondebernard“ („Das Flugzeug von Bernard“) dessen Bewegungen veröffentlicht hatte. „Jetzt weiß keiner mehr, wo ich bin, weil ich eben Flugzeuge miete“, kommentierte er, nachdem er sich von seiner Luxus-Maschine, die mehrere Wohnräume und eine Küche enthielt, getrennt hatte.

Die Schlagzeilen ganz vermeiden kann der 73-jährige Franzose allerdings nicht. Gerade wurde bekannt, dass er der reichste Mann der Welt ist – noch vor dem Unternehmer Elon Musk und seit dieser Twitter übernommen hat. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ bezifferte Arnaults Vermögen auf rund 176 Milliarden Euro. In zehn Jahren ist es um fast 140 Milliarden Euro gewachsen – also um knapp 40 Millionen Euro pro Tag.

Von Dior bis Birkenstock

Luxus ist Arnaults Kerngeschäft, und diese Industrie ist anders als viele andere Branchen bestens durch die Krisen der vergangenen Jahre gekommen. Der französische Milliardär steht dem Konzern LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy) vor. 75 Marken aus den Bereichen Mode, Schmuck, Uhren, Spirituosen oder Wein gehören ihm inzwischen, darunter Christian Dior, Kenzo, Fendi, Guerlain, Sephora oder Veuve Cliquot. Die jüngsten Errungenschaften aus dem Jahr 2021 sind der US-amerikanische Juwelier Tiffany und – weniger glamourös, aber ebenfalls erfolgreich – die deutsche Sandalen-Firma Birkenstock. Auch in die Presse investierte Arnault, der die Übernahmen des Wirtschaftsblatts „Les Échos“, des Wochenmagazins „Investir“, der Tageszeitung „Le Parisien“ und des Senders „Radio Classique“ allerdings „eher als Mäzenat“ bezeichnete. Reich machten ihn andere Geschäfte.

Aus der nordfranzösischen einstigen Industriestadt Roubaix stammend, begann Bernard Arnault nach seinem Abschluss der Elitehochschule École Polytechnique mit 22 Jahren im Bauunternehmen seines Vaters. Diesen brachte er bald dazu, es in ein Immobiliengeschäft umzuwandeln. Nach der Wahl des Sozialisten François Mitterrand zum Präsidenten, der zunächst Kommunisten in seine Regierung holte, ging Arnault für drei Jahre in die USA, wo er eine Tochtergesellschaft aufbaute. Zurück in Frankreich kaufte er das hoch verschuldete Textilunternehmen Boussac und brach sein Versprechen, Jobs zu bewahren. Vielmehr zog er einen drastischen Sozialplan durch und behielt nur das Pariser Traditionskaufhaus Le Bon Marché und die einträglichste Marke Christian Dior. Der erste Stein für sein späteres Luxus-Imperium war gelegt.

Intelligent, fleißig, skrupellos

In den späten 80er Jahren stieg Arnault in den LVMH-Konzern ein, eine Fusion des Herstellers von Edelkoffern und Edelhandtaschen Louis Vuitton, des Champagner-Hauses Moët & Chandon und des Cognac-Produzenten Hennessy. Schließlich übernahm er ihn nach 17 Justizprozeduren, um ihn mit etlichen Akquisitionen zu vergrößern – oft nach zähen Verhandlungen. „Ein wesentlicher Vorzug in unserer Familie ist die Geduld“, sagte Arnault einmal. Nur selten gelangte er nicht an sein Ziel wie beim Kampf um die Modemarke Gucci, als er seinem Rivalen François Pinault, Chef des Luxusgüterkonzerns Kering, unterlag, oder beim Versuch, sich des Traditionshauses Hermès zu bemächtigen. Dass Arnault unter einem Deckmantel in das Unternehmen einstieg, brachte ihm heftigen Widerstand von Hermès und eine Strafe von 8 Millionen Euro ein.

Episoden wie diese verstärkten sein Image, geschäftlich ein skrupelloses Raubtier zu sein. „Würgeengel“ nannte ihn der Journalist Airy Routier in einer nicht autorisierten Biografie. Bewunderer loben dagegen seine Intelligenz, seinen Fleiß, das strategische Talent. „Er regiert absolut alles und weiß alles, angefangen bei der genauen Zahl verkaufter Taschen“, schwärmte einmal Claude Pompidou, Ehefrau des früheren französischen Präsidenten Georges Pompidou.

In der Politik bestens vernetzt

2013 erfolgte ein öffentlicher Aufschrei, als bekannt wurde, dass sich Arnault um die belgische Staatsbürgerschaft bemühte, um den Reichensteuer-Plänen des sozialistischen Präsidenten François Hollande zu entgehen. Die linke Zeitung „Libération“ wandelte damals auf ihrer Titelseite den Spruch „Hau ab, armes Schwein!“ um in „Hau ab, reiches Schwein!“. Aufsehen erregte 2016 der Dokumentarfilm „Merci, Patron!“ („Danke, Chef“), in dem der Aktivist und heutige Linkspolitiker François Ruffin ein Ehepaar begleitete, das seine Jobs in einer zu LVMH gehörenden Fabrik verlor, da diese nach Polen ausgelagert wurde.

Es heißt, Arnault mache sich wenig aus dem mondänen Leben, doch in der Welt der Politik und Wirtschaft ist er bestens vernetzt. Ex-US-Präsident Barack Obama empfing ihn im Weißen Haus, Wladimir Putin im Kreml, Präsident Hollande weihte sein Museum Fondation Louis Vuitton ein, einen modernen Bau mit herausragenden Kunstausstellungen im Pariser Westen, und Präsident Emmanuel Macron das Pariser Luxus-Kaufhaus La Samaritaine, ein weiteres seiner Großprojekte. Arnault, in zweiter Ehe mit einer kanadischen Pianistin verheiratet, ist Kunstliebhaber und spielt auch selbst Klavier – wenn er Zeit hat. Noch immer geht er regelmäßig durch seine Pariser Filialen, besucht Louis Vuitton und Le Bon Marché. Zwar hat jedes seiner fünf Kinder bereits einen Führungsposten innerhalb des weit verzweigten Konzerns inne. Doch ans Aufhören denkt der Patriarch noch nicht: Gerade hat er die Altersgrenze für den Chefposten bei LVMH von 75 auf 80 angehoben. Weitere Coups sind keineswegs ausgeschlossen.

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