Wirtschaft BASF macht Logistik effizienter
Ludwigshafen. Die BASF will mit einem neuen Logistikkonzept Bahntransporte deutlich kostengünstiger machen. Dadurch fallen allerdings mittelfristig 50 Arbeitsplätze für Lokrangierführer weg.
Thorsten Bieker, Leiter Eisenbahn- und Standortservices bei der BASF in Ludwigshafen, sagte der RHEINPFALZ gestern, die Kostenreduzierungen kämen allerdings nur zu einem minimalen Teil durch die Einsparung von Personal zustande, die nicht zuletzt dazu diene, die Folgen des demografischen Wandels zu bewältigen. Die BASF werde auch künftig Lokrangierführer brauchen, aber dank des neuen Logistik-Konzepts könne man darauf verzichten, ein Sonderausbildungsprogramm aufzulegen, um die Abgänge kommender Jahre zu kompensieren. Sehr viel größer als der monetäre Effekt der Personaleinsparungen sei mit einem Anteil von rund 90 Prozent die Kostensenkung beim Equipment. Kern des Konzepts ist, dass Eisenbahn-Kesselwagen durch Tragwagen und speziell für die BASF entwickelte Tankcontainer ersetzt werden. Diese sogenannten BASF Class Tank Container (B-TC) haben, anders als heute im kombinierter Verkehr eingesetzte Tankcontainer, ein Fassungsvermögen, das dem eines vierachsigen Kesselwagens entspricht. In einer ersten Stufe werden im kommenden Jahr rund 1000 Kesselwagen durch 200 Tragwagen und 800 Tankcontainer ersetzt, darunter sind rund 650 B-TC. Weil die Tragwagen von den Containern getrennt fahren können, entfällt ein großer Teil der Standzeiten für Be- und Entladung. Die Wagen erreichen daher deutlich höhere Laufleistungen. Für die gleiche Transportleistung werden deshalb deutlich weniger Fahrzeuge gebraucht. Während bisher relativ aufwendig rangiert werden muss, um die Kesselwagen an die Ladestellen in den Werkstraßen zu bringen, erfolgt dies künftig von einem im Bau befindlichen Tankcontainerlager aus mit autonom fahrenden Fahrzeugen, im Fachjargon AGV (für Automated guided vehicles) genannt. Solche AGV gibt es schon seit einiger Zeit in großen Häfen wie Rotterdam. Eine Weltneuheit ist dagegen laut BASF ein speziell für den Ludwigshafener Chemiekonzern entwickeltes Fahrzeug, das auf den Straßen des Stammwerks fahren kann. Gesteuert wird das AGV über Transponder im Boden. Da es über 32 Räder verfüge, verursache es trotz des Gesamtgewichts von bis zu 100 Tonnen keine Schäden an den Straßen. Während laut BASF heute die Anlieferung eines Kesselwagens vom Bahnhof des Stammwerks zu einer der 150 Ladestellen rund 22 Stunden erfordere, dauere es mit dem AGV zukünftig nur noch eine Stunde. Derzeit gibt es in Ludwigshafen einen Prototyp des AGV, der (nach dem bisherigen BASF-Vorstandsmitglied Margret Suckale) auf den Namen Margret getauft wurde. Schon im kommenden Jahr sollen in Ludwigshafen sieben bis acht dieser Fahrzeuge im Einsatz sein, in der zweiten Ausbaustufe bis etwa 2023 rund 20. Das neue Tankcontainerlager in Ludwigshafen soll im Juni 2018 in Betrieb gehen. Besonders vorteilhaft ist das neue System, wenn sowohl beim Versender als auch beim Empfänger der Ladung der Tankcontainer vom Tragwagen getrennt werden kann. Deshalb werden als erstes die Züge zu den BASF-Werken in Antwerpen und Schwarzheide auf das neue System umgestellt. Bieker sagte, dank des neuen Logistiksystems seien Transporte auf der Schiene in Zukunft deutlich wettbewerbsfähiger. Ziel sei es, nicht nur die Kosten bei bestehenden Bahntransporten zu senken, sondern auch, zusätzliche Transporte auf die Schiene zu verlagern. Kommentar