Wirtschaft BASF im Kampf gegen Malaria
«Ludwigshafen.» Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat von der Weltgesundheitsorganisation WHO die Empfehlung für ein langwirkendes, insektizidbehandeltes Moskitonetz erhalten. Dies sei seit mehr als 30 Jahren die erste WHO-Empfehlung für ein Produkt, das auf einer neuen Insektizid-Klasse basiere, teilte das Unternehmen gestern mit.
Die neuen Netze seien mit Chlorfenapyr behandelt – einer neuen Klasse von Insektiziden zur Moskito-Bekämpfung. Für den neuen Stoff haben BASF-Wissenschaftler mehr als zehn Jahre lang mit dem Innovative Vector Control Centrum, einer gemeinnützigen Organisation zur Malaria-Bekämpfung, und der Londoner Hygiene- und Tropenmedizinhochschule zusammengearbeitet. Dabei sei es gelungen, Chlorfenapyr für die neue Anwendung auf Moskitonetzen wirksam einzusetzen und die strengen WHO-Richtlinien für die öffentliche Gesundheit zu erfüllen. Für ein zweites Produkt auf der Basis von Chlorfenapyr – ein Spray zur Anwendung auf Decken und Wänden erwartet die BASF in Kürze die WHO-Empfehlung. Chlorfenapyr wird seit 1995 in der Landwirtschaft und bei der städtischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Aber auch in Privathaushalten und in Bereichen, in denen mit Lebensmitteln umgegangen werde, heißt es in der BASF-Mitteilung weiter. Die Rolle der BASF bei der Entwicklung der neuen Netze habe darin bestanden, sicherzustellen, dass die Insektizide auf einem Polyesternetz in den richtigen Mengen gehalten werden, wirksam und sicher sind, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. BASF-Textiltechnologen hätten ein dafür patentiertes Bindemittelsystem entwickelt, das die richtige Insektizid-Menge auf der Oberfläche des Netzes auch nach vielen Wäschen der Netze gewährleistet. Die WHO schreibt vor, dass solche Netze über 3 Jahre oder aber auch nach 20 Wäschen noch wirksam sein müssen. Chlorfenapyr wurde ursprünglich von der Firma American Cyanamid im Jahr 1985 entwickelt und zehn Jahre später 1995 als Pflanzenschutzmittel auf den Markt gebracht. Die BASF erwarb American Cyanamid, die Pflanzenschutztochter des US-Konzerns American Home Products, im Jahr 2000 für 3,9 Milliarden Euro und hat den Stoff seither weiterentwickelt. Der Chemiekonzern produziert Chlorfenapyr weiterhin in den USA. Das Netz wird nach Angaben der BASF an Konzernstandorten in Thailand, Vietnam und China hergestellt. Voraussichtlich ab Ende des Jahres werde das Netz, das Gesundheitsbehörden und Hilfsorganisationen vertreiben, erhältlich sein. Der genaue Zeitpunkt hänge von den lokalen Zulassungsverfahren ab, so die BASF. Wie teuer das Netz ist, lasse sich nicht beziffern, da es, wie die meisten Produkte des Unternehmensbereichs Öffentliche Gesundheit, über Ausschreibungsverfahren verkauft werde. Die neuen Produkte seien für die Bekämpfung der Malaria deshalb so wichtig, weil die vier bisher von der WHO empfohlenen Insektizid-Klassen nach BASF-Angaben bereits zu Resistenzen bei der die Krankheit übertragenden Anopheles-Mücke geführt haben. So berichteten 60 Länder von Resistenzen gegen mindestens eine der vier Insektizid-Klassen. Das neue Malaria-Netz sei ein Durchbruch im Kampf gegen Krankheiten, die durch Moskitos übertragen werden, sagte Egon Weinmüller, Leiter des BASF-Geschäftsbereichs Öffentliche Gesundheit. Er ist davon überzeugt, dass „es unsere Generation tatsächlich schaffen kann, Malaria für immer ein Ende zu bereiten“.