Wirtschaft BASF: Fremdfirmen-Mitarbeiter klagen über Klassengesellschaft
«Ludwigshafen». Außer den knapp 35.000 Beschäftigten im BASF-Stammwerk arbeiten am weltweit größten Chemiestandort in Ludwigshafen derzeit rund 8000 Leute von Fremdfirmen. Aus deren Reihen sind jetzt Klagen über Arbeitsbedingungen zu hören. Er fühle sich bei der Arbeit im BASF-Werk als „Mensch zweiter Klasse“, sagte ein Mitarbeiter einer Fremdfirma der RHEINPFALZ. Die BASF weist das zurück. Die Partnerfirmen seien aufgefordert, Probleme anzusprechen, sagte eine BASF-Sprecherin.
Je nach Einsatzort in dem riesigen Standort mit einer Fläche von zehn Quadratkilometern müsse er manchmal bis zu 500 Meter bis zur nächsten Toilette gehen. Die Sozialräume der BASF-Mitarbeiter dürfe er nicht benutzen. Dazu sagte die BASF-Sprecherin, dass im Vorfeld eines Kontraktoren-Einsatzes die Infrastruktur besprochen und geregelt werde. Je nach Umfang und Dauer eines Projekts würden dann Lösungen gefunden. Das reiche von der Einrichtung entsprechender Container über mobile Toiletten bis hin zur Benutzung der sanitären Einrichtung im Betrieb. Bei Großprojekten, zum Beispiel bei der Revision eines Steamcrackers, der Grundchemikalien für viele Anlagen herstellt, werde für die Mitarbeiter der Partnerfirmen ein ganzes Containerdorf mit Toiletten und Duschen aufgebaut. Ein Beschäftigter eines BASF-Kontraktors – so nennt der Chemiekonzern offiziell die Fremdfirmen seit einigen Jahren – beklagt, dass er sein Fahrzeug nicht mehr auf Parkplätzen und in Parkhäusern der BASF abstellen darf. Kontraktoren-Mitarbeiter sollten den großen Parkplatz an der BASF-Kläranlage im Norden des Werks anfahren. Von dort werden sie mit Bussen ins Werk gebracht. Obwohl ihr Dienst erst um 7 Uhr beginnt, rollen manche schon in aller Frühe vor 6 Uhr an, um einen der dann noch freien Stellflächen auf dem öffentlichen Parkplatz an Tor 12 zu ergattern. Die BASF-Sprecherin bestätigte, dass die Parkflächen des Stammwerks seit einigen Jahren nach und nach „zugangsgeregelt“ würden. Kontraktoren könnten für ihre Mitarbeiter limitierte Parkplatzkontingente anfordern. Wenn das Kontingent nicht ausreiche, könne an der Kläranlage geparkt werden. Beschäftigte von Fremdfirmen beklagen sich auch darüber, dass sie in den Kantinen mehr zahlen müssten als BASF-Mitarbeiter. Grundsätzlich stünden die Angebote der BASF-Gastronomie Kontraktoren offen, so die BASF-Sprecherin. Das BASF-Feierabendhaus außerhalb des Werksgeländes ist sogar öffentlich frei zugänglich. Die BASF subventioniere die Gemeinschaftsverpflegung für die Belegschaft der BASF. Da diese Subventionierung bei Mitarbeitern externer Firmen nicht greife, ergebe sich ein Aufschlag von 50 Prozent für das Angebot in den Betriebsgaststätten. Stammessen kosten für BASF-Mitarbeiter derzeit 2,85 bis 3,60 Euro. Die Geschichte des Einsatzes von Kontraktoren oder Fremdfirmen, wie sie früher genannt wurden, bei der BASF ist so lang wie die des 1865 gegründeten Stammwerks. Im Lauf der Zeit wurden immer mehr Tätigkeiten ausgelagert und an andere Firmen vergeben, um nicht eigenes Personal für Arbeitsspitzen vorhalten zu müssen und auch, um nicht teure Chemietarife für Gewerke mit niedrigerem Lohnniveau zahlen zu müssen. Der BASF-Betriebsratsvorsitzende Sinischa Horvat sagte, die Kontraktoren seien die verlängerte Werkbank des Stammwerks. Ihm kämen nur sehr selten Beschwerden von Kontraktoren-Mitarbeitern zu Ohren. Gelegentlich tauscht er sich mit Betriebsräten von Fremdfirmen aus. In einer BASF-Liste sind rund 50 Kontraktoren-Gewerke verzeichnet: von Abbrucharbeiten und Bewachung-Sicherheitsdiensten über Dachdecker, Floristik und Gartenbau bis hin zu Gerüstbau, Hochbau, Industriereinigung, Stahlbau und Winterdienst. Von der Bezeichnung Fremdfirma sei man abgerückt, weil sich der Sprachstil geändert habe, so die BASF-Sprecherin. Das sei so ähnlich wie mit dem veralteten Begriff Fremdenzimmer. Der Rechtschreib-Duden allerdings kennt den Kontraktor nicht. Leitartikel