Reparaturen
Bahn plant ab 2024 Streckensperrungen – Mannheim-Frankfurt wohl zuerst dran
Mit einer radikalen Generalsanierung statt mit weit verstreuten Baustellen soll die lange vernachlässigte und störanfällige Infrastruktur der Bahn modernisiert werden. Dafür ist geplant, ab 2024 wichtige Hauptstrecken zu sperren, um sie in möglichst kurzer Zeit komplett und nachhaltig leistungsfähiger zu machen. Das allerdings wird dann zu noch mehr Umleitungen und Ersatzverkehren (auch per Bus) führen.
Auf Bahnkunden kommen damit schwere Jahre mit monatelangen Sperrungen wichtiger Strecken und längeren Fahrzeiten zu, bevor es allmählich besser werden soll. Das künftige „Hochleistungsnetz“ werde dann aber erstklassig ausgestattet und zuverlässiger sein, der Investitionsstau werde „umfassend beseitigt“, versprach Richard Lutz, Vorstandschef der bundeseigenen Deutschen Bahn AG auf einer Pressekonferenz in Berlin. Der Konzern mit 337.000 Mitarbeitern weltweit verwaltet seit der Bahnreform 1994 die bundeseigene Infrastruktur und erhält dafür hohe Milliardensummen vom Staat.
Hochbelastete Gleisabschnitte
„Ich erwarte, dass wir künftig die Uhr wieder nach der Bahn stellen können“, betonte Wissing auf der Pressekonferenz. Er fügte hinzu: „So wie es ist, kann es nicht bleiben.“ Sonst seien auch die Klimaziele im Verkehrssektor in Gefahr.
Sollte sich nichts ändern, werde sich der Umfang der hochbelasteten Gleisabschnitte von derzeit 3500 Kilometer auf rund 9000 Kilometer bis 2030 fast verdreifachen. In den Engpässen sei das Schienennetz schon ohne Bautätigkeiten zu 125 Prozent ausgelastet. Deshalb bleibe keine andere Wahl als die Generalsanierung.
Im Fokus: Mannheim-Frankfurt
Besonders überlastet sind demnach acht Korridore: die Knoten Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und München, die Achse Dortmund-Duisburg-Düsseldorf-Köln, das mittlere Rheintal sowie die Strecke Mannheim-Karlsruhe-Basel. Auch der Abschnitt Würzburg-Nürnberg zählt dazu. Die Strecke Frankfurt-Mannheim gilt dabei als der am höchsten belastete Korridor in ganz Europa und soll vorrangig angepackt werden.
Bei einer „Steuerungsgruppe Deutsche Bahn“ im Verkehrsministerium sollen künftig alle Fäden zusammenlaufen. Wissing will regelmäßig über alle Vorhaben unterrichtet werden. Eine „Beschleunigungskommission Schiene“, die sich am 29. Juli erstmals trifft, soll den Ausbau voranbringen und eine neue Stabstelle im Ministerium den Deutschland-Takt.